Wenn ein Football-Spiel im Fernsehen läuft, dann werden viele Fans bei einer Sache ziemlich unruhig: Wenn immer und immer wieder die Grundlagen des Spiels erklärt werden. Also: Was ist ein First Down? Wie viel Punkte gibt ein Touchdown? Oder: Was ist die Line of Scrimmage? Manch einer denkt sich, dass das doch mittlerweile nicht mehr sein muss. Ich hatte kürzlich den Gedanken: Wie würde es wohl klingen, wenn das auch in der Bundesliga gemacht wird? Wenn Fußball wie Football kommentiert werden würde?
Eine Sache vorweg: Es hat schon seinen Grund, warum wir im TV so häufig die Regel-Kunde hören. Die Football-Community wächst und wächst. Es schalten immer mehr und immer neue Fans die NFL ein und wollen die Spiele sehen. Diese Fans müssen „abgeholt werden“, wie es in der Medienwelt heißt. Nur wenn die Neuen einfach und unterhaltsam erklärt bekommen was sie sehen, entwickeln sie immer mehr Neugier. Deswegen ist es aus meiner Sicht gut und richtig, dass wir die Regelkunde hören.
Wenn Fußball so klingt wie ein Football-Spiel
Gucken wir ein Fußballspiel, bekommen wir nicht so oft die Regeln erklärt. Das liegt daran, dass Fußball viel tiefer in der Gesellschaft verwurzelt ist. Die Grundregeln sind so ziemlich allen klar. Sie sind auch lange nicht so umfangreich wie beim Football. Auch „Abseits“ erklären muss man heute eigentlich nicht mehr. Aber mal angenommen, man macht es doch?! Oder man erklärt so banale Dinge wie einen Pass, einen Einwurf oder das geschossene Tor? Stellt euch vor, der Reporter bei Bayern München gegen Real Madrid kommentiert so, wie derjenige, der Kansas City Chiefs gegen Philadelphia Eagles mit ausführlicher Regelkunde begleitet. Das könnte so klingen:
„Herzlichen willkommen zum Champions League Spiel Bayern München gegen Real Madrid. Gleich wird die erste Halbzeit angepfiffen. Die dauert 45 Minuten. Es stehen 11 Mann pro Mannschaft auf dem Platz. In der zweiten Halbzeit werden die Seiten gewechselt.“
Soweit noch alles normal. Dann geht es los…
„Jetzt der Angriff über die rechte Seite. Der Bayern-Verteidiger schlägt einen weiten Pass. Also er tritt gegen den Ball, so dass dieser bestenfalls bei seinem Mitspieler ankommt. Der Mitspieler darf den Ball nur mit dem Körper und den Füßen annehmen – nicht mit der Hand…. Oh, das klappt auch. Der Spieler dribbelt die Seitenlinie entlang – die er nicht überschreiten darf. Dann würde das andere Team den Ball bekommen und müsste ihn dann mit einem Wurf über dem Kopf zurück ins Spiel bringen!“
Jetzt wird es spannend…
„Der Spieler läuft Richtung Strafraum – den erkennen Sie an den rechteckigen weißen Linien. Kein Gegner mehr in Sicht. Nur noch der Real Torwart – das ist der Spieler mit den Handschuhen. Der muss verhindern, dass der Ball ins Tor geht. Das Tor ist das Gestell am Kopfende des Feldes!
Gleich passiert es….
„Der Bayern-Spieler schießt und der Ball fliegt … ins Tor! Jubel bei den Münchnern. Sie haben ein Tor erzielt. Das ergibt einen Punkt. Gleich wird Real Madrid den Ball vom Mittelkreis aus wieder ins Spiel bringen und kann dann auch versuchen einen Punkt, also ein Tor, zu erzielen. Das Angriffsrecht kann aber jederzeit wechseln, bis die Spielzeit abgelaufen ist! Am Ende hat dann das Team gewonnen, dass die meisten Punkte – also Tore – hat!“
So könnt es klingen, wenn Fußball wie Football kommentiert werden würde. Das passiert aber nicht und das ist auch gut so. Ich will mit diesem Text auch gar nicht kaputtreden, dass ein Footballspiel so häufig und genau erklärt wird. Wäre das nämlich nie passiert, hätte ich mich wahrscheinlich auch nie für Football begeistert. In meinen Anfängen in den 1990ern konnte man die Regeln nicht schnell googeln, Ich habe viel durch Zusehen und Zuhören gelernt. Genau das passiert heute immer noch – plus Unterstützung des Internets. Und mal ganz ehrlich: Bei manchen Regeln lernen wir doch auch heute immer noch etwas dazu.

