Arizona Cardinals – Die Geschichte

Niemand ist so alt wie die Arizona Cardinals. Das Team, das heute in der Wüste zu Hause ist, wurde im vorletzten Jahrhundert gegründet und ist seit dem einige Male umgezogen. „Die Geschichte hinter den Teams“ mit 8 Umbenennungen, ausgewaschenen Trikots, wenig Glück in den Playoffs und sehr vielen Experimenten auf der Quarterback-Position.

Arizona Cardinals - Logo mit Schrift
Quelle: NFL

Die Geschichte der Arizona Cardinals beginnt 1898 – in Chicago. Die USA waren gerade mal etwas mehr als 100 Jahre alt und Profisport war noch kein großes Thema. Der Handwerker Chris O’Brien gründete damals den Amateur-Sportverein „Morgan Athletic Club“. Später spielte der Verein an der Racine Avenue in Chicago, weshalb er den neuen Namen „Racine Normals“ bekam. O’Brien besorgte um die Jahrhundertwende neue Trikots für seine Spieler. Das war die alte Spielkleidung der Football-Mannschaft der University of Chicago. Die spielte damals schon in einem Braun-Ton – im Englischen „maroon“. Die Farbe war aber schon etwas herausgewaschen.

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Chris O’Brien sagte daraufhin den legendären Satz: „That’s not maroon, it’s cardinal red!“. Frei übersetzt: „Das ist nicht Kastanienbraun, das ist Kardinalrot“. Sein Football-Team hieß dementsprechend dann auch „Racine Street Cardinals“. 1906 wurde die Mannschaft aufgelöst. 7 Jahre später ging es aber schon wieder weiter, bis 1918 der erste Weltkrieg dazwischen kam. Im Jahr 1920 sollte eine professionelle Football-Liga gegründet werden – die American Professional Football Association. Die Recine Cardinals gehörten zu den 14 Gründungsmitgliedern. Zur Saison 1922 wurde die APFA in NFL umbenannt und die Cardinals wurden die Chicago Cardinals.

Erster Titel für die Cardinals

Ein Liga-System wie heute gab es damals noch nicht. Auch Playoffs oder Endspiele waren noch nicht erfunden. Der Meister wurde bestimmt und so wurden die Chicago Cardinals 1925 NFL-Champion. Zu der Zeit etablierte sich auch eine Rivalität, die es noch heute in der NFL gibt. Neben den Chicago Cardinals gab es noch die Chicago Tigers und vor allem die Decatur Staleys – die später als Chicago Bears bekannt wurden. Die Duelle zwischen den Cardinals und Bears gibt es noch immer und noch immer brennt da die Luft.

Arizona Cardinals - Logo
Quelle: NFL

Die sportlichen Erfolge der Cardinals blieben überschaubar. Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es nur 2 positive Saison-Bilanzen. Dafür aber auch abenteuerliche Spielzeiten, die mit 0:10 oder 1:9 zu Ende gingen. Als der Krieg tobte, taten sich die Cardinals mit den Pittsburgh Steelers zusammen und nannten sich „Card-Pitt“ oder auch „Carpets“. Der zusammengewürfelte Haufen schaffte nicht einen Sieg! Nach dem Krieg – und wieder als Chicago Cardinals – kam die Wende. Die Saison 1947 sollte die bis dahin beste der Vereinsgeschichte werden. Mit einer 9:3 Bilanz wurde das NFL-Championship Game erreicht – und gewonnen – mit 28:21 gegen die Philadelphia Eagles.

Das Million Dollar Backfield

Quarterback Paul Christman, die Halfbacks Charley Trippi und Elmer Angsman, sowie Fullback Pat Harder waren die Anker des Teams. Ihr Spitzename: Das Million Dollar Backfield. Nicht, weil sie so viel verdient haben, sondern weil sie sportlich so viel wert waren. Nach dem Titel 1947 erreichten die Cardinals noch das Finale im Jahr darauf – verloren es aber mit 0:7 gegen die Eagles, die so ihre Revanche bekamen. An dieser Stelle könnte man die Geschichte der Cardinals 60 Jahre vorspulen, ohne etwas sportlich großes zu übergehen. Aber es taten sich auch noch andere Baustellen auf.

Die 1950er Jahre waren ein Jahrzehnt zum Vergessen für die Cardinals. Gerade mal 33 Spiele wurden gewonnen, die Playoffs wurden nie erreicht und die Stadt-Rivalen, die Chicago Bears, waren sowieso beliebter bei den Fans. Die Eigentümer-Familie Bidwill wollte mit dem Team umziehen, aber die Liga wollte sie nicht einfach gehen lassen. Erst als die AFL gegründet wurde und so eine neue Konkurrenz aufkam, durften die Cardinals einen neuen Weg gehen, um nicht in der Versenkung zu verschwinden. Die Wahl fiel auf St. Louis. Mit dem Start der Saison 1960 gab es also die St. Louis Cardinals.

Die doppelten Cardinals in St. Louis

In St. Louis gab es allerdings schon die Cardinals, nämlich in der Major League Baseball. Also nannte man sich auch „Football Cardinals“. Bis zum Ende der 1980er war die Stadt in Missouri die Heimat der Cardinals, aber sportliche Erfolge wurden auch hier nicht gefeiert. Schon 1964 kamen wieder Umzugsgerüchte auf. Die „Football Cardinals“ spielten mit den „Baseball Cardinals“ im selben Stadion, was eigentlich nirgendwo lange gut ging. St. Louis wurde auch nur langsam warm mit dem Sport. Die Bidwills drohten mit einem Umzug nach Atlanta und schon wurde die Stadt weich und St. Louis baute ein neues Stadion.

Zur Saison 1973 wurde Don Coryell der neue Head Coach der St. Louis Cardinals. Der Erfinder der „Air Coryell“ Offensive hauchte dem Team neues Leben ein. Mit Quarterback-Legende Jim Hart kam ein Anflug von Erfolg zurück. 1974 und 1975 wurden die Playoffs erreicht – zum ersten Mal seit 1948. Beide Spiele wurden aber verloren. Viele Spiele damals wurden immer auf den letzten Drücker entschieden, was zum Spitznamen „Cardiac Cardinals“ führte – eine Anspielung auf die Herzprobleme, die Fans durchmachen mussten. Der Spitzname wurde 1978 leider auch Realität, als Tight End J.V. Cain im Trainingscamp an einem Herzinfarkt starb.

Endspurt in St. Louis

Auch wenn nichts zählbares zu Stande kam, die St. Louis Cardinals formten einige Spieler, die heute zu den ganz großen gehören. Quarterback Neil Lomax etwa, oder auch Wide Receiver Roy Green. Mit beiden gab es 1982 noch mal einen Ausflug in die Playoffs – aber weiter keinen Erfolg. Dass das bei den Fans nicht gerade für Extase sorgte, ist klar. Owner Bill Bidwill spielte außerdem mal wieder mit dem Gedanken das Glück in einer neuen Stadt zu suchen. Baltimore, Jacksonville oder auch Phoenix waren die Optionen. Ende 1988 fiel die Entscheidung: Die St. Louis Cardinals ziehen nach Arizona um.

Arizona Cardinals - Schrift
Quelle: NFL

So ganz ohne Probleme lief es aber nicht. Die Phoenix Cardinals, wie sie zu Beginn hießen, sollten ein modernes Stadion bekommen. So lange waren sie zu Gast im Sun Devil Stadium der Arizona State Universität. Der Bau der neuen Arena wurde durch die wirtschaftliche Situation ausgebremst, so dass es 18 Jahre dauern sollte bis die Hütte fertig wurde. Sportlich war noch immer wenig los mit den Cardinals. 1994 wurde noch mal am Namen geschraubt. Denn die Phoenix Cardinals haben eigentlich nie in Phoenix gespielt. Das Stadion der Uni und steht in der Stadt Tempe. Also waren schließlich die Arizona Cardinals geboren. Es ist der insgesamt neunte Name des Teams.

Großer Jubel 1998

Vollständig zu überzeugen war bis hier hin nicht unbedingt die Stärke der Cardinals. Mal hatte man eine ganz ansehnliche Offensive, mal war die Defensive stabil. Ein paar Stars ragten heraus, aber das Gesamtpaket war dürftig. Bis 1998. Quarterback Jake Plummer führte sein Team nicht nur in die Playoffs – zum ersten Mal seit 1982. Es wurde auch mal ein Spiel der Postseason gewonnen. Der Tag: Der 2. Januar 1999. Der Gegner: Die Dallas Cowboys. Mit 20:7 gewannen die Arizona Cardinals in Texas und holten den ersten Playoff-Sieg seit 52 Jahren! Randnotiz: Eine Woche später wurde man mit 21:41 von den Minnesota Vikings weggefegt.

Arizona Cardinals - Helm
Quelle: NFL

Nach diesem kurzzeitigen Höhenflug kam das nächste Tief – ein sehr tiefes Tief sogar. 10 Jahre dümpelten die Arizona Cardinals im Niemandsland der Liga. Es kamen auch kaum noch Fans ins Stadion und irgendwann machten die sich sogar einen Spaß daraus, den Gegner anzufeuern. Im Jahr 2000 wurden zum Beispiel nur 3 Spiele gewonnen, ein Jahr später waren es immerhin 7. Vor der Saison 2004 kamen andere Schlagzeilen aus Arizona: Ex-Safety Pat Tillman starb bei einem Einsatz der US-Army in Afghanistan. Er hatte kurz vorher den Football fürs Militär aufgegeben und wurde so der erste NFL-Spieler, der in einem Krieg starb, seit Bob Kalsu von den Bills 1970.

Es passiert etwas bei den Arizona Cardinals

Nach 18 Jahren in Arizona konnten die Cardinals zur Saison 2006 endlich ein eigenes Stadion beziehen. Anfangs hieß die neue Arena in Glendale „University of Phoenix Stadium“, heute heißt die silberne Schüssel in der Wüste „State Farm Stadium“. 2008 und 2015 fand hier schon ein Super Bowl statt. 2023 wird der nächste folgen. Super Bowl ist auch das Stichwort. Die Arizona Cardinals sicherten sich für die Saison 2008 mit Kurt Warner eine feste Größe für die Quarterback-Position. Er hatte mit den Rams schon einen Super Bowl gewinnen können. Es sollte sich auszahlen.

Plötzlich passte alles im Team. Mit einer eigentlich nicht überragenden 9:7 Saison erreichten die Arizona Cardinals mal wieder die Postseason. In der Wild Card Runde wurde das erste Playoff-Heimspiel seit über 60 Jahren gewonnen. In der Divisional Round wurden die Carolina Panthers besiegt und so stand man tatsächlich im NFC Championship Game. Da wurden die Philadelphia Eagles souverän geschlagen, was nicht nur den NFC-Titel, sondern natürlich auch die erste Teilnahme an einem Super Bowl überhaupt bedeutete. Da warteten die Pittsburgh Steelers, die dann doch eine Nummer zu groß waren. Aber die Saison konnte man sich als Fan einrahmen!

Super Bowl Teilnahme – und was nun?

In der folgenden Saison waren die Erwartungen natürlich hoch. Die Enttäuschung war immerhin nicht ganz so groß, da die Arizona Cardinals wieder bis in die Divisional Round kamen. Auf dem Weg dahin wurden die Green Bay Packers in der Wild Card Runde mit 51:45 in der Overtime besiegt. Damit wurde der Rekord geknackt für das Spiel mit den meisten Punkten in den Playoffs. Trotzdem war eine Woche später Schluss und Kurt Warner gab seinen endgültigen Rücktritt bekannt. Ein Neuaufbau musste her. Eigentlich begann schon damals das muntere „Wer wird unser Starting Quarterback“-Gewürfel, das lange laufen sollte.

Arizona Cardinals - Logo mit Schrift klein
Quelle: NFL

Donovan McNabb, Kevin Kolb oder auch John Skelton wurden ausprobiert. Richtig funktioniert hat es nie. Zur Saison 2014 sollte es dann ein neuer Coach richten: Bruce Arians sollte die Arizona Cardinals 5 Jahre begleiten und das auch mit ansehnlichen Bilanzen. Carson Palmer war mittlerweile auf der Quarterback-Position angekommen, Wide Receiver Larry Fitzgerald ging schon in seine 10. Saison in der Wüste. Mit einer souveränen 11:5 Bilanz wurden die Playoffs erreicht, die nach der Wild Card Runde zu Ende waren. Ein Jahr später lief es aber noch besser: 13:3 und wieder ein NFC-Championship Game. Da reichte es aber nicht für mehr.

Die Arizona Cardinals in der Gegenwart

Die folgenden Jahre waren wieder das fast schon typische Mittelmaß – mit dem Tiefpunkt 2018 und nur 3 Siegen in der gesamten Saison. Das Quarterback-Gewürfel ging natürlich auch weiter. Die Saison 2018 begann noch mit Sam Bradford, dann kam Erstrunden Draft-Pick Josh Rosen ins Spiel. Half aber alles nichts. Zwischenzeitlich musste sogar Trainer Arians gehen. Für die Saison 2019 kam Kliff Kingsbury als Head Coach zu den Cardinals – und wieder sollte es ein neuer Draft-Pick Number 1 richten: Quarterback Kyler Murray. Ihm guckt man gerne zu – jedenfalls aus neutraler Sicht. Zählbare Erfolge lieferte er bis jetzt auch noch nicht in der Wüste von Arizona.

Die erste Version dieses Artikels erschien am 27. August 2019. Dieses Update ist vom 25. Mai 2021.