Tennessee Titans – Die Geschichte

Wer an Nashville in Tennessee denkt, hat sofort Country-Musik im Ohr. Die Country Music Hall of Fame ist in der Stadt, die Gibson Gitarren stammen aus der „Music City“ und eben auch die Tennessee Titans. Aber noch gar nicht so lange. Gegründet wurden sie als „Houston Oilers“ – seit 20 Jahren gibt es aber nun schon die Titans. Woher der Name stammt, dazu „The Comeback“ und „The Catch“ – das alles in „Die Geschichte hinter den Teams“.

Tennessee Titans - Logo und Schrift
Quelle: NFL

Die Geschichte der Tennessee Titans beginnt 1959 – aber 1.300 km südwestlich von Nashville – und nicht in der NFL. Es liefen die Vorbereitungen für die neue Liga AFL, die mit 8 Teams an den Start gehen sollte. Bud Adams, ein einflussreicher Geschäftsmann der Öl-Branche aus Houston/Texas hatte schon mehrfach erfolglos versucht ein Franchise in der NFL zu bekommen. Von AFL-Boss Lamar Hunt erhielt er nun die Lizenz für die neue Liga ab der Saison 1960. Der Name „Houston Oilers“ war natürlich naheliegend in Texas. Bud Adams sagte selbst, die Entscheidung hätte auch „sentimentale Gründe“ gehabt.

Erste Saison – erster Titel

Der Start der Houston Oilers in der AFL konnte gar nicht besser laufen. Schon in der Premieren-Saison konnte der Titel geholt werden – mit einem 24:16 Sieg gegen die Los Angeles Chargers. Der Höhenflug ging auch 1961 weiter. Wieder standen die Oilers im AFL-Championship Game und gewannen auch den zweiten Titel. Dieses Mal mit einem 10:3 gegen die Chargers, die mittlerweile nach San Diego umgezogen waren. Der MVP des Spiels wurde Oilers Quarterback und Kicker George Blanda. Er war damals 34 Jahre alt und hatte noch 14 Jahre vor sich. Bis heute hält Blanda mit 48 Jahren den Rekord für „ältester NFL-Spieler“.

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Die Houston Oilers waren in der AFL auch in der folgenden Saison das Maß aller Dinge. Mit einer souveränen 11:3 Bilanz wurde auch das dritte Finale in Folge erreicht und das hatte es mehr als in sich. Gegner waren die Dallas Texans – was allein schon Feuer ins Spiel brachte. Die Begegnung ging schließlich in die zweite Overtime und am Ende triumphierten die Dallas Texans mit 20:13 und verhinderten den dritten Titel der Oilers. Mit 77 Minuten und 54 Sekunden ist das Spiel bis heute das längste Endspiel der Football-Geschichte.

Historischer Seitenwechsel

Der Erfolg der Houston Oilers gab der AFL auch einen Schub und so war der „Dauer-Champion“ das erste Team der neuen Liga, das einen Spieler der „großen NFL“ übernahm. Willard Dewveall kam aus Chicago nach Texas und legte gleich einen beachtlichen Rekord hin: 1962 schaffte er den längsten Passfang für einen Touchdown – eine Statistik sagt es waren 98 Yards, die andere sagt sogar 99. Sicher ist: Viel mehr geht kaum! Nach den drei Endspielteilnahmen fielen die Oilers aber trotzdem in ein kleines Loch.

Houston Texans - Astrodome

Zur Saison 1968 zogen die Houston Oilers in eine neue Arena – in den Astrodome. Das Team wurde somit das erste, das in einem geschlossenen Stadion spielte. Eine Rolle in den Playoffs spielte man nicht mehr. 1970 schloss sich die AFL mit der NFL zusammen und die Bilanzen wurden noch schlechter. Gleich 2 Jahre in Folge gelang nur ein magerer Sieg in der gesamten Saison. Zur Saison 1975 kam mal wieder einer dieser vielen Umbrüche. Neuer Headcoach in Houston wurde „Bum“ Philips, der dem Team neuen Schwung einimpfte.

Do the Funky Chicken

Zum Team der Houston Oilers gehörte inzwischen auch Billy Johnson – auch „White Socks“ genannt, weil er schon in der Schule seine Schuhe weiß färbte. Der Wide Receiver gilt außerdem als Erfinder der Touchdown-Jubel-Tänze. Seine „Moves“ in der Endzone waren angelehnt an den „Funky Chicken“ von Rufus Thomas. Ein Radio-Kollege konnte mit Billy Johnson beim Super Bowl LIII sprechen und für ihn tanzen. Aber seht selbst:

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Es dauerte bis 1978, bis die Houston Oilers wieder eine Rolle in den Playoffs spielten. Mit ihrem neuen Star-Running Back Earl Campbell – gelang an Heiligabend der erste Playoff-Sieg seit 17 Jahren – passenderweise ein 17:9 gegen die Miami Dolphins. Es ging sogar weiter bis ins AFC-Championship Game. Da musste man sich aber den Steelers geschlagen geben, die später den Super Bowl holen sollten. Da die Oilers in ihrer Geschichte gerne mehrfach Endspiele am Stück bestreiten, wurde auch 1979 das AFC-Finale erreicht. Aber wieder waren die Pittsburgh Steelers stärker. Trotzdem wurden die Oilers zu Hause im Astrodome von ihren Fans kräftig gefeiert.

Der Beginn der 1980er – zum Vergessen

Das neue Jahrzehnt begann mit vielen Experimenten. Da wurde mal ein Quarterback aus der CFL in Kanada geholt, oder auch mal einer aus der USFL, der kleinen und heute fast vergessenen Konkurrenz-Liga. Von 1982 bis 1984 wurden gerade mal 5 Spiele gewonnen! Erst 1987 würgten sich die Oilers in die Postseason. Mehr als die Divisional Round war aber nicht drin. Im selben Jahr passierte schließlich auch in Houston das, was in fast jeder NFL-Stadt früher oder später mal passiert: Es wurde über das Stadion diskutiert und ein Umzug des Teams angedroht!

Besitzer Bud Adams wollte den Astrodome aufmotzen lassen, mit mehr Platz, neuen Logen und was damals alles möglich war. Sollte Houston nicht mitmachen, würde er nach Jacksonville verschwinden. Aber auch hier war der Druck erfolgreich und die Arena wurde für 67 Millionen Dollar renoviert und der Umzug war vom Tisch – vorerst. Mit Beginn der 1990er lief es auch sportlich wieder einigermaßen. Am 3. Januar 1993 sollten die Oilers Geschichte schreiben – in der Wild Card Runde gegen die Buffalo Bills. 35:3 lag man im dritten Viertel in Führung. Was dann mit den Spielern passierte weiß niemand so genau. Die Bills gewannen schließlich mit 41:38 in der Overtime und haben damit ein 32 Punkte-Comeback hingelegt – das größte der NFL-Geschichte bis heute. Deshalb wird das Spiel auch „The Comeback“ genannt. Für die Oilers war es das Gegenteil davon.

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Das darauf folgende Jahr war mit einer 12:4 Bilanz das bis dahin beste in Houston – aber auch das letzte für Quarterback-Rückhalt Warren Moon – und auch das letzte in den Playoffs, die schon fast traditionell in der Divisional Round zu Ende waren. Parallel ging das Theater um das Stadion wieder los. Bud Adams Idee war eine neue Arena in der Innenstadt zu errichten, die sich die Oilers mit den Houston Rockets aus der NBA teilen sollten. Er kam damit aber nicht durch und so ließ er irgendwann durchblicken, dass er mit dem Bürgermeister von Nashville/Tennessee sehr gute Gespräche geführt habe.

Houston, wir haben ein Problem!

Nach der Saison 1995 ließ Bud Adams die Katze aus dem Sack: Die Houston Oilers werden die Stadt verlassen und nach Tennessee umziehen – und das schon mit Beginn der Saison 1998. In Nashville sollte ein neues Stadion entstehen, so wie es der Owner gerne hätte. In Houston sorgte die Entscheidung für Entsetzen. Immerhin die viertgrößte Stadt der USA sollte kein NFL-Team mehr haben? Die Fans wollten die Oilers auch nicht mehr sehen und das Team rund um Steve McNair und Headcoach Jeff Fisher ging auf eine traurige „Abschieds-Tournee“. Teilweise kamen nur noch rund 15.000 Zuschauer zu den Heimspielen. Sportlich lief es auch nicht.

Tennessee Titans - Helm
Quelle: NFL

Die ganze Situation führte schließlich dazu, dass der Umzug sogar ein Jahr vorgezogen wurde – zur Saison 1997. Schon zwei Jahre später war die Welt in Houston aber wieder in Ordnung, als die NFL eine Expansion beschloss, die die Houston Texans als ganz neues Team in die Stadt bringen sollte. Die alten Oilers waren jetzt in Tennessee zu Hause – aber noch nicht in Nashville. Da dauerte es noch, bis das versprochene Stadion fertig werden sollte. Also wich man nach Memphis aus. Eine Stadt, die schon lange ein NFL-Team haben wollte – aber auf Dauer und nicht nur übergangsweise. Dementsprechend nüchtern wurden die Oilers auch aufgenommen.

Tennessee Oilers – Tennessee Titans

Während der Zeit in Memphis behielt das Team auch den Namen „Oilers“, was etwas komisch wirkte. Denn die Gegend ist nicht unbedingt weltbekannt für die Erdölförderung. Im Sommer 1998 wurde bekannt, dass das Team doch einen neuen Namen bekommen sollte. Die Vorgabe des Owners: Der Name sollte Kraft und Führungsqualitäten widerspiegeln. Weil Nashville auch gerne als das „Athen des Südens“ bezeichnet wird, fiel die Wahl schließlich auf Tennessee Titans. Es war also alles bereit für den Neustart, mit neuem Namen in der neuen Stadt mit neuem Stadion.

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Die erste Saison der Tennessee Titans sollte gleich die beste der Vereinsgeschichte bis heute werden. Es wurden alle Heimspiele gewonnen und mit einer 13:3 Bilanz wurden die Playoffs erreicht. In der Wild Card Runde kam es dann zum „Music City Miracle“ gegen die Buffalo Bills. Mit nur noch 16 Sekunden auf der Uhr und einem Rückstand von 15:16 gelang Kevin Dyson ein 75 Yards Lauf in die Endzone zum Sieg. Bis heute ist allerdings umstritten, ob der Pass auf Dyson ein Lateral-Wurf war oder doch illegal nach vorn ging. Die Schiedsrichter sahen damals nichts Verbotenes und die Titans rauschten schließlich durch bis in den Super Bowl.

Erstes Jahr – erster Super Bowl

Auch hier wiederholt sich die Geschichte. Als Houston Oilers stand man im ersten Jahr im Endspiel – und als Tennessee Titans schon wieder. Im Super Bowl XXXIV waren die St. Louis Rams der Gegner und wieder spitzte sich das Spiel auf einen letzten Drive zu und wieder war Kevin Dyson im Mittelpunkt. Genau 1 Yard for der Endzone wurde er zu Fall gebracht. Er streckte noch den Arm aus, um den Ball über die Linie zu halten. Es reichte aber nicht und die Rams gewannen mit 23:16. Dieser Spielzug steht heute als „The Tackle“ in den Geschichtsbüchern der NFL.

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Die folgenden Jahre erlebten die Tennessee Titans ein stetiges Auf und Ab. 2002 wurden sie der neuen AFC South zugeordnet, nachdem die NFL vergrößert wurde. Das führt dazu, dass die Titans immer in ihrer alten Heimat Houston gegen die Texans spielen müssen. Ein Sieg in der Wild Card Round 2003 gegen die Baltimore Ravens sei an dieser Stelle noch vermerkt, weil er der letzte für viele Jahre sein sollte. Bei den Titans machten aber auch viele große Stars der damaligen Zeit Station: Quarterback Vince Young z.B., der 2006 Offensive Rookie des Jahres wurde.

Verletzungspech ohne Ende

Auch Adam „Pacman“ Jones oder Eddie George gehörten zu den Tennessee Titans. Aber was nützen die Stars, wenn sie nicht spielen? Durch viel Verletzungspech sprang sportlich nur noch wenig heraus – bis zur Saison 2008. Mit einer 10:0 Siegesserie wurde alles und jeder in Grund und Boden gespielt. Bis zum Ende des Jahres gab es zwar noch 3 Niederlagen, aber schon in der Divisional Round war der Höhenflug der Titans beendet. Es sollten 8 lange Jahre ohne Playoff-Football in Nashville beginnen. Nebenbei sorgte Vince Young für Stunk in der Kabine, als er nach einer Daumenverletzung auf die Bank musste. Das führte zum Bruch mit Coach Jeff Fisher, mit dem Team, den Fans und am Ende war er seinen Job los.

Tennessee Titans - Schrift
Quelle: NFL

Aber auch Coach Jeff Fisher bliebt nicht mehr lange. Nach 17 Jahren an der Seitenlinie, in Houston, Memphis und Nashville, war nach der Saison 2010 Schluss für ihn. Der Ärger hörte aber nicht auf. Vor der neuen Saison ließ sich Running Back Chris Johnson nicht blicken. Er wollte für seine sicher beachtlichen Leistungen auf dem Feld einfach mehr bekommen, als rund 1 Million Dollar im Jahr. Die Titans gingen darauf ein und machten ihn zum bestbezahlten Spieler auf seiner Position – mit über 53 Millionen Dollar – und 30 Millionen Bonus. Der sportliche Tiefpunkt folgte 2014, als die Tennessee Titans mit nur 2 Siegen die Saison beendeten. 2015 war es auch nur ein Sieg mehr.

Marcus Mariota soll es richten

Seit 2015 ist Marcus Mariota der Quarterback der Titans. Geholt als großes Talent, waren die Ansprüche natürlich hoch. Aber 2017 führte er sein Team wieder in die Playoffs – nach 8 Jahren Pause. In der Wild Card Runde wurden sogar die Kansas City Chiefs besiegt, was den ersten Sieg in der Postseason im neuen Jahrtausend (das letzte Spiel war zwar 2000, gehörte aber zur Saison 1999) bedeutete. Das man später gegen die New England Patriots rausflog, kann durchaus passieren. In der vergangenen Saison wurde mit einer 9:7 Bilanz nur knapp der Sprung in die Playoffs verpasst. Und 2019? Da gibt es schon den ersten Rekord zu vermelden: Safety Kevin Byard wird mit 70,5 Million Dollar zum Top-Verdiener auf seiner Position. Wenns hilft…


24:32: Die Geschichte hinter den Teams: Buffalo Bills
23/32: Die Geschichte hinter den Teams: Philadelphia Eagles
22/32: Die Geschichte hinter den Teams: Jacksonville Jaguars
21/32: Die Geschichte hinter den Teams: Kansas City Chiefs
20/32: Die Geschichte hinter den Teams: Atlanta Falcons
19/32: Die Geschichte hinter den Teams: Los Angeles Rams
18/32: Die Geschichte hinter den Teams: Miami Dolphins
17/32: Die Geschichte hinter den Teams: New Orleans Saints
16/32: Die Geschichte hinter den Teams: New York Jets
15/32: Die Geschichte hinter den Teams: Green Bay Packers
14/32: Die Geschichte hinter den Teams: Seattle Seahawks
13/32: Die Geschichte hinter den Teams: Dallas Cowboys
12/32: Die Geschichte hinter den Teams: Denver Broncos
11/32: Die Geschichte hinter den Teams: Baltimore Ravens
10/32: Die Geschichte hinter den Teams: Cleveland Browns
09/32: Die Geschichte hinter den Teams: Minnesota Vikings
08/32: Die Geschichte hinter den Teams: Tampa Bay Buccaneers
07/32: Die Geschichte hinter den Teams: New York Giants
06/32: Die Geschichte hinter den Teams:  Carolina Panthers
05/32: Die Geschichte hinter den Teams: Oakland Raiders
04/32: Die Geschichte hinter den Teams: Chicago Bears
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02/32: Die Geschichte hinter den Teams: Houston Texans
01/32: Die Geschichte hinter den Teams: New England Patriots

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