Buffalo Bills – Die Geschichte

Wer auf die Vergangenheit der Buffalo Bills schaut, der kommt um diese eine dramatische Niederlagen-Serie Anfang der 1990er nicht herum. Viermal standen die Bills damals im Super Bowl und trotzdem gehört das Team bis heute immer noch zu den wenigen, die keinen Titel feiern durften. Aber da ist noch mehr: Ausflüge nach Kanada, das größte Comeback der NFL-Geschichte oder auch eine Saison mit 4 verschiedenen Quarterbacks. Alles hier im Blog:

Buffalo Bills - Logo
Quelle: NFL

Die Geschichte der Buffalo Bills beginnt eigentlich 1959 in der Vorbereitung für den Start der AFL. In der Stadt selbst wurde aber auch schon viele Jahrzehnte vorher Football gespielt – in diversen Ligen. Da gab es die „Buffalo All-Stars“, die „Buffalo Indians“ oder auch die „Buffalo Bisons“. Die wurden 1947 in Bills umbenannt, zogen dann aber nach Cleveland und wurden zu den Browns. Als die American Football League als Konkurrenz zur NFL starten sollte, wurde der Name Buffalo Bills wieder ausgekramt.

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Lamar Hunt, der Macher hinter der AFL, wollte unbedingt ein Team in Buffalo. Er bot dem erfolgreichen Geschäftsmann Pat McGroder eine Lizenz an. Der lehnte aber ab und so kam Ralph Wilson ins Spiel – auch ein Geschäftsmann, der mit Autos und Versicherungen Erfolg hatte. Wilsons Worte damals an Lamar Hunt waren: „Du kannst auf mich zählen. Ich nehme ein Franchise, egal wo!“ Er durfte sogar wählen, zwischen Buffalo, Miami, Cincinnati, St. Louis, Atlanta und Louisville. Wilson wollte eigentlich nach Miami. Daraus wurde nichts. Also entschied er sich für Buffalo.

Buffalo Bills als Kriegserinnerung

Ralph Wilson diente im Zweiten Weltkrieg auf einem Schiff im Mittelmeer. Der Kapitän stammte aus Buffalo. Bei ihm fragte er nach, ob ein neues Profi-Team für die Stadt Sinn ergeben würde. Dazu kam etwas Lobby-Arbeit in der Stadt, Zusagen für ein Stadion und schließlich schickte Wilson ein Telegramm an AFL-Boss Lamar Hunt: „Count me in with Buffalo“. In einem Wettbewerb stimmte die Stadt dafür, dass der Name „Buffalo Bills“ wiederbelebt werden sollte. Die „alten Bills“ hatten sich nach „Buffalo Bill Cody“ benannt, dem Macher der berühmtem Western-Shows.

Buffalo Bills - Helm alt
Quelle: NFL

1960 ging die AFL schließlich an den Start – mit den neuen Buffalo Bills. Die erste Saison war guter Durchschnitt mit einer Bilanz von 5:8:1 – nicht, was Geschichte schreiben würde. Das machten die Bills in der folgenden Off-Season. Am 8. August 1961 kam es zu einem Testspiel gegen die Hamilton Tiger-Cats aus der CFL. Die Canadian Football League hatte die Jahre zuvor gegen Teams aus der NFL gespielt und immer verloren. Die Tiger-Cats besiegten allerdings die Bills mit 38:21. Buffalo war also das erste Team aus den USA, das gegen Kanada verlor. Die AFL war so sauer, dass es danach keine Spiele mehr gegen die CFL gab!

Der erste Star für die Buffalo Bills

Zur Saison 1962 kam Quarterback Jack Kemp aus San Diego, der den Bills neuen Schwung bringen sollte. Er sorgte für die erste positive Saison-Bilanz und im zweiten Jahr dann auch für die erste Playoff-Teilnahme. Das Spiel der Bills war damals vor allem auf die Defensive ausgerichtet – während in der AFL sonst alle ihr Heil in der Offensive suchten. 1964 stellten die Bills gleich mehrere Liga-Rekorde auf: Sie ließen nur 242 Punkte zu, nur 3.878 Yards insgesamt und nur 65,5 Rushing Yards pro Spiel. Der AFL-Titel ging auch deshalb nach Buffalo – und 1965 wurde das gleich wiederholt!

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Auch 1966 marschierten die Buffalo Bills ins AFL-Championship Game. Das war damals noch nicht das Ende der Football-Saison. Der Gewinner des Spiels durfte im neu geschaffenen AFL-NFL World Championship Game antreten – das Spiel, was wir heute als Super Bowl I kennen. Die Bills verloren aber gegen die Kansas City Chiefs mit 7:31 und verpassten die Chance an diesem historischen Endspiel teilzunehmen. Was folgte war der typische Einbruch, den jedes Team irgendwann erlebt. Die Saison 1967 endete mit 10 Pleiten – 1968 waren es sogar 12. So bekam Buffalo aber das Recht auf den Nummer 1 Pick im Draft und da holte man sich eine Legende.

O.J. Simpson übernimmt

Running Back O.J. Simpson kam nach Buffalo und sollte für 9 Jahre das Gesicht der Bills werden. Allerdings ging es ziemlich holprig los. 1971 wurde ein Negativ-Rekord für die Ewigkeit aufgestellt: Die wenigsten Siege (1), die wenigsten erzielten Punkte (184) und die meisten kassierten Punkte (394) – alles in einer Saison und von einem Team. Das gab es noch nie. Kurz danach kam in Buffalo ein Stadion-Streit auf. Die eigene Arena war zu klein und genügte nicht mehr den Ansprüchen. Owner Ralph Wilson machte das, was alle Owner dann machen: Er drohte mit Umzug. Seattle, Memphis oder Tampa waren im Gespräch. Aber Buffalo gab nach und ließ ein neues Stadion bauen. 1973 wurde das Rich Stadium bezogen. Das hieß später auch mal Ralph Wilson Stadium und ist noch heute die Heimat der Bills – hat aber mittlerweile einen Sponsor und heißt New Era Field.

Buffalo Bills - Schrift
Quelle: NFL

1973 war auch das beste Jahr für O.J. Simpson, der über 2.000 Yards erlief und zum MVP wurde. Die Offensive um ihn herum wurde „Electric Company“ getauft. Im folgenden Jahr wurden mit dieser Power auch mal wieder die Playoffs erreicht, aber da war schon in der Divisional Round wieder Feierabend. Kurz danach lief es gar nicht mehr. Von 1976 bis zum Ende des Jahrzehnts wurden nur noch 17 Spiele gewonnen, aber eben auch 43 verloren. O.J. Simspon zog nach San Francisco weiter und es musste mal wieder ein Neuanfang her. 1980 und 1981 gab es kurze Ausflüge in die Playoffs, aber ohne nennenswerte Ergebnisse. 1983 sollte ein neuer Held nach Buffalo kommen.

Mit Jim Kelly kommt der Erfolg

Zur Saison 1983 konnte Quarterback Jim Kelly verpflichtet werden. Er spielte aber erst 3 Jahre später zum ersten Mal für die Buffalo Bills. Bis dahin lief er in der United States Football League für die Houston Gamblers auf. 1986 löste sich die USFL auf, die Bills übernahmen einige Spieler und auch der neue Head Coach Marv Levy kam aus der anderen Liga. Er sollte bis 1997 in Buffalo bleiben und die erfolgreichste Zeit des Franchise mitbestimmen. Schon 1988 und 1989 gab es wieder Playoff-Football – wenn auch keinen schönen und erfolgreichen. Mit Beginn der 1990er begann dann eine Phase, die bis heute ihresgleichen sucht.

Waren die Buffalo Bills zu Beginn ihrer Zeit noch für ihre Defensive bekannt, war jetzt die Offensive das Prunkstück. Die sogenannte „K-Gun“ Formation um Tight End Keith McKeller wurde legendär. Mit über 26 Punkten im Schnitt war der Einzug in den Super Bowl fast schon selbstverständlich. In Ausgabe XXV warteten die New York Giants. 8 Sekunden vor Schluss hatte Bills Kicker Scott Norwood den Sieg auf dem Fuß. Aber sein 47 Yard-Field Goal Versuch segelte vorbei und Buffalo verlor den ersten Super Bowl mit 19:20. Ein Jahr später sollte es besser laufen, in Super Bowl XXVI gegen die Redskins lief es aber nicht und die Bills verloren mit 24:37 ihren zweiten Super Bowl.

4 Super Bowls in Folge

Auch 1992 zogen die Buffalo Bills in den Super Bowl ein. Quarterback Jim Kelly verletzte sich allerdings auf dem Weg dahin und Frank Reich (später Coach der Colts) musste ran. In der Wild Card Round gegen die Houston Oilers gelang das größte Comebach der NFL-Geschichte. Aus einem 3:35 Rückstand wurde noch ein 41:38 Sieg. Im Super Bowl XXVII gegen die Dallas Cowboys gab es dann auch Punkte satt. Die Bills gingen mit 17:52 unter und verloren ihren dritten Super Bowl in Folge. Im Jahr darauf kam es zum Rematch. Buffalo wurde das erste Team, das 4 Super Bowls am Stück erreichen konnte. Dieses Mal fiel die Niederlage etwas knapper aus. Mit 13:30 verloren die Bills auch den vierten Super Bowl.

Buffalo Bills - Helm
Quelle: NFL

Nach diesen 4 Pleiten am Stück waren die Buffalo Bills natürlich das Ziel von Hohn und Spott. Man hätte das Team auch dafür loben können, dass sie so oft in Folge im Super Bowl standen. Aber stattdessen hieß es: Für was steht Bills? Für „Boy, I love losing Super Bowls!“. Bis zum Ende der 1990er konnte sich das Team aber noch einigermaßen oben halten. In 6 Spielzeiten wurden immerhin 4 Mal die Playoffs erreicht. Aber ganz oben war kein Platz mehr für die Buffalo Bills. Coach Marv Levy ging schließlich von Bord. Seit diesem Tag haben schon über 10 andere Trainer ihr Glück probiert – aber nicht wirklich gefunden. Es ist kein Spoiler schon hier zu erwähnen, dass nichts zählbares mehr für die Bills heraus sprang.

Nur dabei, statt mittendrin

Der 8. Januar 2000 sollte in gewisser Weise ein besonderer Tag für die Buffalo Bills werden. An dem Tag ging das Wild Card Game gegen die Tennessee Titans mit 16:22 verloren. Es war der letzte Playoff-Auftritt bis zur Saison 2017! Bis dahin hangelten sich die Bills durch die NFL. 2008 holte Buffalo die Vergangenheit ein, als die Fühler wieder nach Kanada ausgestreckt wurden. Für insgesamt 6 Jahre in Folge sollten die Bills Regular Season Games in Toronto bestreiten. Richtig erfolgreich lief das wieder nicht. Von den 6 Spielen konnte nur eins gewonnen werden.

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Spannend ist auch zu sehen, welche Spieler für Buffalo Bills während dieser Durststrecke aufgelaufen sind: Drew Bledsoe, Terrell Owens, Ryan Fitzpatrick oder Marquise Goodwin. Im Jahr 2014 starb Owner Ralph Wilson. Sein Nachfolger wurde Terrence Pegula, der aber prominente Konkurrenten um den Posten hatte. Da gab es eine Bietergemeinschaft angeführt von Jon Bon Jovi. Auch ein Gewisser Donald Trump hatte Interesse an den Buffalo Bills. Der entschied sich dann aber (leider) für die Politik und ist heute gar nicht mehr gut auf die NFL zu sprechen.

Die erste Frau im Coaching Staff

Als 2015 Rex Ryan der neue Head Coach wurde, passierte etwas in Buffalo. Nach Jahren der Bedeutungslosigkeit hatten die Fans so richtig Bock auf die Bills. Es wurden über 60.000 Dauerkarten verkauft – ein neuer Rekord in der antiken Arena. Playoff-Football gab es aber immer noch nicht zu sehen. In der folgenden Saison wurde mit Kathryn Smith zum ersten Mal eine Frau vollwärtiges Mitglied eines Coaching Teams. Sie war zuständig für „Special Teams Quality Control“. Als Sean McDermott den Chefposten an der Seitenlinie übernahm, war die Zeit der ersten Trainerin schon wieder zu Ende.

In der Saison 2017 ging eine lange Leidenszeit für die Fans der Buffalo Bills zu Ende. Zum ersten Mal im neuen Jahrtausend (auf Spielzeiten gerechnet) ging die Saison nach der Regular Season weiter. Die Freude war groß und die Enttäuschung kam schnell – nach einer Wild Card Round Niederlage gegen die Jaguars. Die Saison 2018 lief dann kunterbunt: Quarterback Tyrod Taylor musste gehen, Josh Allen sollte den Posten übernehmen, wurde aber von Nathan Peterman verdrängt. Seine Leistung fiel ab, so dass Derek Anderson einspringen musste. Später probierte auch noch Matt Barkley sein Glück. Das Ende vom Lied: Eine 6:10 Bilanz.

Die Buffalo Bills heute

Quarterback Josh Allen hat sich eingelebt und in der Saison 2020 erreichten die Buffalo Bills wieder die Playoffs. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem Donald Trump als US-Präsident abgewählt wurde. Hätte er das Team gekauft, hätte er die Bills sicher schon wieder „great“ gemacht. Aber gefallen würde das wohl auch nur den wenigsten.

Die erste Version dieses Artikels erschien am 30. Juli 2019. Dieses Update ist vom 02. März 2021.