Indianapolis Colts – Die Geschichte

Für Fans der Indianapolis Colts hatte die Saison 2019 noch gar nicht richtig begonnen, da war sie gefühlt schon wieder zu Ende. Quarterback Andrew Luck gab kurz vor Saisonstart sein Karriere-Ende bekannt. Viele Experten hatten die Colts weit oben auf ihrer Liste. Also blicken wir hier einfach zurück auf „Die Geschichte hinter den Teams“. In Indianapolis war ein Deutscher ziemlich erfolgreich, die Patriots sind unbeliebt – und was hat das Hufeisen eigentlich zu bedeuten?

Indianapolis Colts - Logo
Quelle: NFL

Die Geschichte der Indianapolis Colts beginnt 1953, aber nicht in Indianapolis/Indiana, sondern etwa 1.000 km weiter östlich – in Baltimore/Maryland. Eine Investoren-Gruppe bewarb sich bei der NFL um ein Franchise. Der Gechäftsmann Carroll Rosenbloom bekam dafür den Zuschlag – und auch gleich etwas „Material“ an die Hand. Seinem Team wurden die „Überreste“ der Dallas Texans überlassen. Ein Team das in der NFL gescheitert war. Das neue Team hatte aber noch weitere alte Teile. Denn in der All-America Football-Conference, einer Konkurrenz-Liga zur NFL in den 1940ern, gab es schon mal eine Mannschaft aus Baltimore, die Colts hieß.

Ein langer Weg bis zur Gründung

Die ersten Baltimore Colts haben nur kurz in der NFL gespielt und verschwanden schon 1950 wieder. Als Carroll Rosenbloom nun die Lizenz in der Tasche hatte, dazu die „Reste“ aus Dallas, konnte es mit den Baltimore Colts 1953 in der NFL losgehen. Der Name Colts wurde abgeleitet von der großen Pferdesport-Geschichte in Baltimore. Bei einem bekannten Rennen dort treten „Colts“ an, also männliche Fohlen. Bei einem Wettbewerb wurde der Name „Baltimore Colts“ geboren und von da war es auch nicht mehr weit, ein Hufeisen mit ins Logo zu nehmen. Obwohl es ganz zu Beginn noch etwas anders aussah.

Indianapolis Colts - alt
Quelle: NFL

Die ersten 4 Jahre NFL waren für die Baltimore Colts die typische Findungsphase. Allerdings hatte man sich schon 1958 extrem gut gefunden. Denn im sechsten Jahr seit Start in die Liga stand man im Endspiel und gewann es sogar – mit 23:17 in Overtime gegen die New York Giants. Der gefeierte Anführer des Teams war Quarterback Johnny Unitas. Das Finale 1958 wird bis heute noch als „Greatest Game Ever Played“ bezeichnet. Weil es so schön war, hieß die Endspielpaarung im folgenden Jahr wieder Colts gegen Giants und wieder gewann Baltimore – jetzt mit 31:16. Es folgte mal nicht der typische Durchhänger, sondern weiter Football auf gutem Niveau. Was in den 1960ern noch verfeinert wurde.

Ein Legenden-Trainer kommt

Zur Saison 1963 übernahm Head Coach Don Shula die Colts. Noch war er keine Legende, aber in Baltimore legte er den Grundstein. Shula gewann später mit den Miami Dolphins 2 Super Bowls, war 25 (!) Jahre deren Coach, bescherte Miami auch die bis heute einzige perfekte Saison ohne Niederlage. In Baltimore führte er die Colts schon im zweiten Jahr wieder ins Finale. Da wurde man zwar mit 0:27 von den Cleveland Browns zerpflückt. Die Revanche folgte 1968, als man die Browns mit 34:0 besiegte, um in den Super Bowl einzuziehen. Der wurde dann aber gegen die New York Jets und Joe Namath verloren.

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Der Höhenflug hielt an, auch als 1970 die neu formierte NFL an den Start ging. Die Baltimore Colts waren es, die nach der Fusion von AFL und NFL alles dominieren sollten. Im Super Bowl V wurden schließlich die Dallas Cowboys besiegt, um den ersten Super Bowl nach Baltimore zu holen. Ausgerechnet gegen Dallas. Eine Stadt, mit der man eine Geschichte hatte. Im folgenden Jahr waren die Playoffs für die Colts nach einer Niederlage gegen Miami zu Ende. Wer war dort schon Trainer? Genau: Don Shula! Es folgte ein Eigentümerwechsel, der Abschied von Johnny Unitas und die Gründung des „Sack Pack“, einer extrem starken Defensive Line der Colts, aber es folgte auch eine 2:12 Saison 1974.

Der schleichende Abchied aus Baltimore

Nach einem kurzen Aufflammen der Leistungen Mitte der 1970er, ging es stetig bergab. Da gab es Spiele der Colts, in denen nicht einmal die Mittellinie überschritten wurde! In der verkürzten Saison 1982 wurde kein einziges Spiel gewonnen und dann noch das: Man hatte die Chance einen Quarterback namens John Elway zu draften. Der hatte aber keine Lust auf Baltimore und setzte alles daran, zu den Denver Broncos zu kommen. Da wurde Elway zur Legende. In Baltimore gingen dagegen zu langsam die Lichter aus. Das berühmte „Relocation-Gespenst“ tauchte in Maryland auf. Die Stadt Indianapolis hatte großes Interesse an einem NFL-Team. Ein Stadion war auch schon da. Die Stadt Baltimore wollte den Umzug unbedingt verhindern, es wurde sogar an den nötigen Gesetzen geschraubt.

Indianapolis Colts - Schrift
Quelle: NFL

Colts-Eigner Robert Irsay sollte schließlich enteignet werden, damit die Colts in Baltimore bleiben. Irsay hatte aber mittlerweile kein Interesse mehr zu bleiben, in dem alten Stadion zu spielen und so schickte er eines Nachts im März 1984 die Umzugswagen auf das Gelände der Baltimore Colts, ließ alles einpacken und nach Indianapolis fahren. Buchstäblich über Nacht war ein gesamtes Football-Team verschwunden. Baltimore wurde später mit den neuen Baltimore Ravens „beruhigt“, aber der Frust saß trotzdem tief. Vor allem auch bei den letzten Fans, die es noch gab. In Indianapolis war die Freude dagegen riesig. Die Dauerkarten waren extrem gefragt und die Vorfreude groß. Der Name des Teams blieb – ab sofort nannte man sich Indianapolis Colts, obwohl es in der Stadt eher wenig um Pferde geht.

Neues Leben als Indianapolis Colts

Mit der Saison 1984 spielten die Colts in Indianapolis, obwohl es weder Baltimore, noch die NFL wollte. Erst 2 Jahre später wurde das Kriegsbeil begraben. Sportlich lief es in der neuen Heimat nicht so wirklich rund. In den ersten 10 Jahren wurde nur ein Playoff-Spiel bestritten – und verloren. Es gab auch die sogenannte „imperfect“ Season mit nur einem mageren Sieg. Running Back Eric Dickerson war noch ein Lichtblick des Teams, bis 1994 eine Legende zu den Indianapolis Colts stieß – Marshall Faulk – zusammen mit Quarterback Jim Harbaugh. „Captain Comeback“ sorgte für einige spannende Entscheidungen und 1995 und 1996 wurden die ersten Playoff-Spiele in der neuen Heimat gewonnen. Beide Male war aber später gegen die Pittsburgh Steelers Endstation.

Ein entscheidender Punkt in der Geschichte der Indianapolis Colts war der Draft 1998, als Peyton Manning verpflichtet werden konnte. Seine erste Saison war eher unterer Durchschnitt, aber danach ging es bergauf. Bis zum Ende der 1990er wurden die Playoffs zwar mehrfach erreicht, aber nichts gewonnen. Das änderte sich mit der Ankunft von Head Coach Tony Dungy 2002. Nach einer Saison zum Aufbau, spielten die Colts ab 2003 eigentlich immer oben mit. Peyton Manning wurde regelmäßig MVP und im Jahr 2006 zahlte sich die Mühe auch endlich aus. Es war Super Bowl XLI in Miami, den die Colts mit 29:17 gegen die Chicago Bears gewinnen konnten. Bis dahin hatte noch kein Dome-Team (also ein Team, das in einem geschlossenen Stadion zu Hause ist) einen Outdoor Super Bowl gewinnen können.

Erfolg kostet…

Die Erfolgswelle macht Spieler auch hungrig… auf mehr Geld. Linebacker Dwight Freeny konnte recht schnell Kapitel aus dem Super Bowl schlagen und wurde mit einem 72 Millionen Dollar Vertrag der teuerste Verteidiger der NFL – Stand 2007. Normalerweise müsste das Team jetzt in ein sportliches Loch fallen, aber die Indianapolis Colts blieben weiter oben dran – wenn auch nicht ganz oben. Bis in die Gegenwart – also ins Jahr 2019 – wurden nur 4 Mal die Playoffs verpasst. Und nur 3 Jahre nach dem Titel gegen die Bears, wurde wieder der Super Bowl erreicht – 2009 gegen die New Orleans Saints. Bis dahin hatten die Colts den Rekord mit den meisten Regular-Season-Siegen am Stück aufgestellt – 23. Die 17:31 Pleite gegen die Saints und Drew Brees war dann der letzte Final-Auftritt bis heute.

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Gegen Ende der 2010er wurde bei den Indianapolis Colts so langsam ein Umbruch vorbereitet. Mit dem Lucas Oil Stadium wurde eine neue Arena bezogen und vor allen Dingen wurde Peyton Manning vor die Tür gesetzt – 2012 mit 36 Jahren. Sein Nachfolger sollte Andrew Luck werden. Nach einer „Ausrutscher-Saison“ mit 2:14 Siegen übernahm Luck das Ruder, Chuck Pagano wurde neuer Head Coach und es lief… eher dürftig. Playoffs – ja. Erfolge oder Titel – nein. Auch Wide Receiver T.Y. Hilton konnte nur selbst glänzen, als mit dem Team. 2013 begann bei den Colts auch die Zeit des Deutschen Björn Werner. Der Defensive End wurde sogar in der ersten Runde gedraftet. Er spielte 38 Mal für Indianapolis, bevor er seine Karriere beendete.

Sprich nicht von den Patriots!

In den Playoffs 2013 und 2014 schieden die Indianapolis Colts jeweils gegen die New England Patriots aus. Da konnte auch der sogenannte „Deflate-Gate“-Skandal nichts ändern. Haben die Patriots nun mit leichteren Bällen gespielt oder nicht? Wie auch immer – die Colts konnten sich nicht durchsetzen. 2015 bis 2017 fanden die Playoffs schließlich ohne Indianapolis statt. Das lag sicher an der Verletzung von Andrew Luck, schlechtem Coaching oder schlicht an zu starken Gegnern. Zur Saison 2018 kam quasi eine Wunderheilung: Frank Reich wurde neuer Head Coach, Andrew Luck blühte wieder auf und dann kam die Divisional Round gegen die Kansas City Chiefs. Da kann man mal verlieren. Frank Reich wurde nur ganz knapp NICHT Trainer des Jahres. Das Comeback des Jahres wurde Andrew Luck zugeschrieben.

Indianapolis Colts - Helm
Quelle: NFL

Es gab einige Experten, die setzten viel auf die Indianapolis Colts in der Saison 2019. Das Team hatte sich gefunden, eingespielt und gut verstärkt. Dann kam der 24. August 2019. Andrew Luck gab sein Karriere-Ende bekannt, weil er einfach nicht mehr kann. Zu viele Verletzungen, zu hohe Belastung und der Körper hat einfach STOP gesagt. Mit 29 Jahren war das Football-Leben zu Ende. Völlig nachvollziehbare Schritte, nur für einige Fans nicht, die ihren Quarterback im Stadion ausgebuht haben. Björn Werner, der Luck gut kennt, macht das richtig wütend, was die Fans da abgezogen haben.

Die Saison 2019 ist für die Indianapolis Colts eigentlich ganz brauchbar angelaufen. Als Quarterback spielt jetzt Jacoby Brissett, ein junger Kerl, der die Chance verdient hat. Er kam einst von den Patriots, auf die man in Indianapolis nicht so gut zu sprechen ist. Da muss man einfach mal nur den Namen „Josh McDaniels“ fallen lassen und schon kochen die Emotionen über. Versprochen!


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