Ian Rapoport im Interview

Wir alle mögen die NFL, wir kennen uns mit Football aus und informieren uns pausenlos, was in der Liga passiert. Ein Mann taucht bei News aus der NFL immer wieder auf: Ian Rapoport. Der Analyst beim NFL Network weiß alles – und das ist nicht mal übertrieben. Wenn Spieler wechseln, Coaches rausfliegen oder Teams in eine andere Stadt umziehen – Ian Rapoport erzählt es uns. Bei Twitter, in seinem Podcast oder in den TV-Übertragungen. Wie er an die Infos kommt, wie gut er selbst Football spielt und ob er auch mal in Ruhe ein Spiel angucken kann, das alles erzählt er im exklusiven BeimFootball.de-Interview. Wie immer zum Hören und Lesen.

Ian Rapoport
Quelle: NFL

Ian Rapoport, geboren am 9. Januar 1980 – wenige Tage bevor die Oakland Raiders den Super Bowl XV gewonnen haben. Aufgewachsen im Bundesstaat New York, Abschluss in Geschichte an der berühmten Columbia University und seit 2004 in der Sportberichterstattung. Rapoport schrieb für Zeitungen in Mississippi und Alabama über College Football und landete schließlich in Boston und berichtete über die New England Patriots. Erst seit 2012 ist Ian Rapoport Teil des NFL Networks und heute eines der Gesichter der Liga. Um so schöner ist es, dass er sich die Zeit für dieses Interview genommen hat.

Ian Rapoport, willkommen BeimFootball.

Ich freue mich hier zu sein, ich quatsche immer gerne mit dir und würde auch gerne auf Deutsch antworten. Aber ich will euch und eure Sprache nicht beleidigen. Also einfach: Danke, dass ich hier sein kann!

Wie machst du das? Wieso weißt du so viel über die NFL?

Naja, ich rede mit vielen Menschen – ich telefoniere viel. Es geht um Kontakte, um Quellen, um Verbindungen. Da muss man einfach heraushören was passieren könnte. Also immer wieder Gespräche führen, bei NFL Leuten nachhaken. Da müssen nicht immer Nachrichten bei herauskommen. Aber wenn du so viele Leute wie möglich immer wieder befragst, an den richtigen Stellen ein Gespräch führst, dann kommt dabei etwas heraus. Das ist eine verrückte Welt, klar. Aber ich mag das!

Du sprichst von „Quellen“. Welche sind denn die besten Quellen eines Ian Rapoport?

Die können überall sein. Das kann ein General Manager sein, ein Trainer, Assistenten, Spieler – wenn auch nicht viele. Auch Agenten oder einfach Leute, die einem Team nahe sind. Wenn du wissen willst, ob ein Spieler im Stadion ist und du jemanden kennst, der im Stadion arbeitet, dann fragst du halt den. Wenn er dann sagt: „Ich hab ihn gesehen“, ist das natürlich eine gute Quelle.

Eine wichtige Sache im Journalismus ist, Menschen mit Respekt zu behandeln. Natürlich nicht nur im Journalismus, das sollte man immer machen. Denn du weißt ja nie, wen du mal als Quelle brauchst. Wenn du also selbst immer nett bist, dann hilft das auch.

Wie sieht denn dein typischer Arbeitstag aus? Klingelt das Telefon noch im Bett?

Normalerweise stehe ich schon zwischen 6 und 7 Uhr auf. Da habe ich natürlich schon einige Nachrichten aus der Nacht, die ich beantworte. Da kann man schon sehen, was der Tag bringen wird. Welche Themen werden wichtig? Wo kann ich nachfragen? Dann geht es auch schon los mit den Telefonaten. Zwischendurch bin ich bei Good Morning Football zugeschaltet, wo wir über die ersten News sprechen. Das mache ich aus einem Studio bei mir zu Hause. Also da reden, nebenbei recherchieren, wieder reden, wieder telefonieren. Das geht dann oft bis abends um 21 Uhr weiter. Selbst wenn ich mal frei machen, geht es nicht ohne. Vergangenen Dienstag war so ein Tag und ich habe trotzdem 20 Mal telefoniert. Es ist ein Teufelskreis, aber ich rede dabei über die NFL und das liebe ich!

Wie viele Tweets, Anrufe, SMS, E-Mails liest und bekommst du am Tag?

An besonderen Tagen, also am Free-Agent-Day z.B., da sind es schon über 1.000. Wenn ich manchmal eine Nachrichten vom Morgen suche, blättere ich ewig bis ich sie gefunden habe. Also über 1.000 Nachrichten, hunderte Kontakte. Das ist viel, aber du weißt ja nie was sich daraus entwickelt. Es ist ein ewiger Kreislauf von Nachrichten-Input, um zu sehen was in der Welt los ist.

Hast du in deinem Telefonbuch auch die Nummer von Tom Brady oder Roger Goodell griffbereit?

Naja, da sind schon so einige Nummer oder E-Mail Adressen. Es geht ja auch sich bei Twitter direkt zu schreiben. Aber ich kann schon behaupten, dass da sehr wichtige Kontakte vorhanden sind. Aber das ist doch auch mein Job! Ich bin dafür da die Nachrichten zu verbreiten wenn sie passieren und dann muss ich auch die wichtigen Leute erreichen.

Und wann ist Ian Rapoport mal offline?

In der Woche nach dem Super Bowl mache ich schon mal ein paar Tage frei. Aber im Urlaub ist mein Telefon auch nicht ausgeschaltet – maximal auf lautlos gestellt und ich quatsche auch nicht mehr so viel. Aber die Off-Season selbst ist mittlerweile fast noch aufregender geworden als die eigentliche Saison. Da sind die Trades, die Vertragsverhandlungen. Coaches fliegen oder werden neu eingestellt. Voriges Jahr war es in meinem Urlaub, als Josh McDaniels bei den Colts vorgestellt wurde aber dann doch zu den Patriots ging. Es passiert also immer irgendwas großes. Ich kann schon mal zum Skifahren gehen und so tun, als ob ich nicht arbeite. Verrückt, ich weiß.

Du sprichst so viel über Football. Hast du auch mal selbst gespielt?

Ich habe in der Highschool gespielt aber ich glaube nicht, dass das eine Voraussetzung für meinen Job ist. Football macht Spaß und jeder soll diesen Spaß haben. Für mich macht es noch mehr Spaß dabei zu sein, die Geschichten zu hören, die Leute zu kennen. Da versteht man vielleicht sogar den Football noch viel besser, als wenn man weiß was der Guard im nächsten Spielzug machen wird.

Kannst du mit deinem Job im Rücken überhaupt ein Spiel in Ruhe verfolgen oder hängst du ständig am Handy?

Natürlich habe ich mein Telefon immer bei mir und die ganze Zeit kommen Nachrichten rein. Klar, alle anderen gucken ja auch. Ich habe bei mir 3 Fernseher. Da läuft die RedZone und 2 Einzelspiele. Ich gucke dann aber auch gerne zu. Wenn sich dann niemand verletzt, über den ich berichten müsste, macht es echt Spaß!

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Hast du denn ein Lieblingsteam oder darfst du das als Mitarbeiter des NFL Networks gar nicht?

Ich weiß gar nicht, ob ich es darf oder nicht. Ich habe aber keins. Klar könnte ich mir ein Team aussuchen und es einfach nicht sagen. Aber ich gucke die Spiele auch ganz anders. Bei mir geht es darum was mit den Spielern passiert. Wer verletzt sich? Wer kommt? Wer geht? Wo sind die Geschichten? Ein Lieblingsteam im Football habe ich nicht – aber beim Baseball. Da bin ich großer Fan der New York Mets!

Kommen wir mal zum aktuellen Geschehen. Was sagst du zu der „Quarterback-Seuche“ aktuell?

Die vergangene Woche war wirklich nicht gut für Quarterbacks in der NFL. Drew Brees ist mindestens 6 Wochen raus. Ben Roethlisberger ist ganz raus und muss sich operieren lassen. Es müssen jetzt schon ganz viele Back-Up Quarterbacks spielen. Das ist eigentlich nicht das, was wir sehen wollen.

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Voriges Jahr war das ganz anders und da waren alle Großen am Start. Jetzt ist das wieder andes. Auch Nick Foles ist ja raus für viele Wochen, so spielen jetzt viele, von denen wir noch nie gehört haben. Aber das kann auch ganz aufregend sein.

Nur Tom Brady spielt und spielt. Wird er also wieder im Super Bowl stehen?

Es sieht fast so aus, oder? Bei ihm habe ich das Gefühl, dass er für immer spielen wird. Jeder will wissen, wann er mal aufhört. Ich weiß es auch nicht. Ich habe nicht mal das Gefühl, dass er langsamer wird. Aber wahrscheinlich möchte seine Frau, dass er aufhört. Wer weiß was kommt. Vielleicht spielt Tom Brady wirklich wieder im Super Bowl oder er hört doch rechtzeitig auf. Das könnte eine der großen Schlagzeilen in diesem Jahr werden. Die Patriots machen aber auch den Eindruck, als würden sie alle überrollen wollen.

Was sagt der Experte eigentlich zu der internationalen Entwicklung der NFL? Ist es noch die „National“ Football Leaugue für dich?

Das ist doch nur noch der Name. Die NFL ist so international wie noch nie – auch durch die vielen internationalen Spieler. Wenn die neue CBA kommt (Collective Bargaining Agreement, die Vereinbarung zwischen Teambesitzern und Spielergewerkschaft. Die aktuelle läuft bis 2020 einschließlich), dann könnte vielleicht ein 17. Spieltag kommen oder noch ein internationales Spiel. Da ist die Wahrscheinlichkeit da. Entweder ein Spiel auf neutralem Boden in Mexiko oder Kanada. Vielleicht ist es aber dann auch in Deutschland? Ich weiß, dass die NFL die deutschen Fans sehr wohl respektiert und auch weiß, was da los ist!

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