Adrian Franke im Interview

Wir alle lesen jede Woche mehrere seiner Artikel bei spox.com. Sein Buch: „American Football: Alles, was man wissen muss“ steht sicher auch in vielen Regalen und bei DAZN haben wir ihn auch schon oft in den NFL-Übertragungen gehört. Adrian Franke ist heute mein Interview-Gast. Ich habe mit ihm gesprochen über die Draft-Class 2019, was die neue Saison 2019 bringen könnte und ob er vielleicht noch ein Buch für uns schreibt. All das jetzt und hier zum Lesen und Hören.

Adrian Franke - 1

Geboren zwischen dem dritten und vierten Super Bowl Gewinn der San Francisco 49ers – im Mai 1989 – ist Adrian Franke heute einer der versiertesten deutschen NFL-Experten überhaupt. Das alles hat er seiner heutigen Frau zu verdanken, die ihm nach einem USA-Aufenthalt den Football nahegelegt hat.

Adrian Franke, herzlich willkommen beimfootball.de. Deine Frau hat dich also zur NFL gebracht?

Vielen Dank für die Einladung. Das ist völlig richtig. Ich hatte ursprünglich nicht so viel mit Football zu tun. Aber meine damalige Freundin und heutige Frau war nach der Schule für ein paar Monate in Texas, wo Football quasi über fast allem steht. Sie hat dann gesagt, dass ich es mir doch mal anschauen könne. Das war während der Saison 2008. Also die Playoffs 2008/2009 waren das erste, was ich wirklich bewusst beim Football geschaut habe.

 

Das war noch einige Jahre bevor die NFL hier in Deutschland richtig groß wurde. Was glaubst du, wie ist dieser Hype entstanden?

Ich glaube, es gibt verschiedene Ursachen. Zum einen was ich festgestellt habe in meinem Freundeskreis und auch bei mir selbst – ich komme ursprünglich auch vom Fußball – ist so eine gewisse „Fußball-Müdigkeit“. Das heißt nicht, dass die Leute den Fußball nicht mehr mögen, sondern sie ihn etwas langweilig finden. Denn es gewinnen oft die gleichen Teams. An der Spitze ist der Spannungsfaktor nicht da. Die Geschichten der Verbände von DFB, Uefa und Fifa usw. Da gibt es sicher viele Faktoren.

Adrian Franke - Stadion

Football hat dann diese Nische als „coole Alternative“ gefunden. Da muss man ganz klar ran herausstellen. Die haben in den ersten Jahren extrem gute Arbeit geleistet, um die Leute „abzuholen“. Bei uns bei Spox, bei DAZN und jetzt mittlerweile auch bei ganz vielen Team-Blogs und Podcasts gibt es eine Spezialisierung und Vertiefung. Also die Leute haben mit ran angefangen NFL zu schauen, interessieren sich jetzt tiefergehend dafür. Für die gibt es mittlerweile auch ein Angebot. So entwickelt sich das immer weiter und mein Eindruck ist, dass das Interesse mehr über Football zu erfahren einfach riesig ist.

 

Führt dieser Hype zu einem NFL-Spiel in Deutschland?

Ja, ein NFL-Spiel in Deutschland wird schon irgendwann kommen. Den Eindruck habe ich immer, wenn ich mit NFL-Verantwortlichen in irgendeiner Weise zu tun habe. Früher oder später wird es soweit kommen. Ich würde jetzt mal sagen, in den nächsten 5 Jahren irgendwann. Für mich die nächste Benchmark wäre die NBA. Klar, da ist viel Hype über Dirk Nowitzki entstanden. Ich glaube, das wäre der nächste Schritt – mit der NFL genau in so ein Standing zu kommen.




Wir haben jetzt schon den extremen Luxus, dass man sonntags zur besten Zeit im Free-TV Übertragungen hat. Ich glaube auch, dass das Angebot noch immer größer werden wird – und das die NFL das Potenzial hat, vielleicht über die nächsten 10 Jahre etwa, mehr und mehr in diese zweite Rolle nach dem Fußball schlüpfen zu können. Ich habe schon den Eindruck, dass der Trend seit 6 oder 7 Jahren schon so stark ist und auch nicht aufhört, so dass nach oben schon noch einiges möglich ist.

 

Du bist bei Spox.com für Football zuständig. Wie sieht deine Arbeitswoche aus?

Also innerhalb der Saison haben wir klare Abläufe. Spiel am Donnerstag Abend und dann natürlich der Sonntag, der komplett voll ist. Montag Abend auch noch. Da gibt es Analyse-Schichten in der Nacht, es müssen Nach-Drehs geschrieben werden. Es gibt auch immer wieder einordnende Sachen. Etwa ein Power-Ranking oder ein Panel mit anderen Leuten. Also diese hintergründigeren Texte gibt es natürlich auch. In der Off-Season ist es schon etwas freier. Da experimentiere ich auch etwas herum. Letztes Jahr habe ich eine College Football Themen-Woche gemacht. Da gibt es also schon mal die Möglichkeit andere Wege zu gehen – gerade im Juni/Juli. Ab August ist schon wieder Preseason. Aber der Sommer bedeutet schon etwas weniger Arbeit.

 

… und im Urlaub geht es dann in die Football Hall of Fame in Canton/Ohio – oder doch etwas anderes?

Auf jeden etwas ganz anderes! Sonst steigt mir meine Frau aufs Dach…

 

Du nennst immer die Arizona Cardinals als dein Lieblings-Team. Bist du zufrieden mit Kyler Murray und dem Draft-Ablauf aus „eurer“ Sicht?

Also ich hätte die Situation grundsätzlich wahrscheinlich etwas anders gehändelt, weil ich von Josh Rosen relativ viel halte. Ich fand den Draft aber unglaublich stark von den Cardinals. Ich hätte ganz viele Spieler auch  genau da gedraftet, nur an Position 1 wahrscheinlich Quinnen Williams, statt Kyler Murray. Aber ich verstehe natürlich die Connection zu Kliff Kingsbury, dem neuen Coach, der Kyler Murray schon seit 6 Jahren eigentlich mehr oder weniger coachen will.

Er wollte ihn schon aus der High-School rekrutieren, ihn ans College holen. Jetzt hatte er in der NFL die Möglichkeit ihn zu bekommen. Deswegen kann ich das alles schon verstehen. Der Coach glaubt daran, dass Murray in seinem Team der nächste Superstar-Quarterback sein kann. Dann ist es aus Team-Sicht auch die richtige Entscheidung. Danach dann noch Cornerback Byron Murphy in der zweiten Runde, die Wide Receiver Andy Isabella und Hakeem Butler – ich glaube, wir werden da eine ganz neue Offense sehen. Da bin ich aus Fan-Sicht und Analysten-Sicht sehr gespannt darauf.

 

Was können die Cardinals aus Sicht des Fans und Experten „Adrian Franke“ reißen?

Ich glaube, dass einiges möglich ist. Es ist natürlich immer die große Frage, wie schlägt der Rookie-Quarterback ein. Ich traue ihnen 8 Siege zu nächstes Jahr und eine vielversprechende Entwicklung.

 

Was müssen wir uns generell nach dem Draft für die neue Saison merken?

Also, dass das Pass-Spiel dominiert, ist keine ganz neue Entwicklung, aber das es bei den Teams immer mehr ankommt und ein immer größerer Fokus darauf gelegt wird. Wenn wir uns die Top-Spieler im Draft anschauen, dann haben die meisten – ob offensiv oder defensiv – direkten Einfluss auf das Pass-Spiel. Es sind Pass-Rusher, Cornerbacks oder eben Quarterbacks und Receiver. Ich glaube, dass der Weg da immer krasser noch hingehen wird über die nächsten Jahre, also dass das Pass-Spiel immer dominanter wird. Auch was die Team-Zusammenstellung angeht. Viele Teams spielen fast nur noch in der Shotgun-Formation. Da ist also ein Umdenken oder auch Trend erkennbar.

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Wenn wir ein Team herauspicken, dann sind auch in diesem Jahr die Patriots spannend. Sie haben in den mittleren Runden ihren Value mitgenommen aber auch mit dem was sie nicht gemacht haben überrascht. Indem sie z.B. keinen Tight-End genommen haben nach dem Rücktritt von Rob Gronkowski. Ich finde es immer spannend im Draft anzuschauen, was die Teams machen. Hier sind sie so ehrlich wie fast nie. Denn mit den Spielern die sie auswählen verraten sie uns ja auch etwas – was sie vorhaben oder was sie über ihren eigenen Kader denken. So wie die Patriots die Off-Season angegangen sind und wie sie gedraftet haben, glaube ich, dass wir in New England eine komplett andere Offense sehen werden.

 

Was erwartet Adrian Franke insgesamt von der Saison 2019?

Naja, es ist natürlich noch sehr, sehr früh. Aber New England ist für mich noch immer das beste Team der Liga aktuell. Ich weiß auch nicht, ob sich das ändern wird so lange Tom Brady und Bill Belichick da sind. Zumindest vor allem Brady auch auf diesem Level noch spielt. Dementsprechend glaube ich, dass die nicht nachlassen werden. Wenn wir jetzt auf die AFC schauen, sind die Browns zu beachten, die Colts sind ein starkes Team. Ich habe auch die Steelers wieder auf dem Zettel. Die Chargers haben sich verbessert.

Die Chiefs haben sich eher ein bisschen verschlechtert über diese Off-Season – oder zumindest sehe sich sie ein Stück schlechter als sie letztes Jahr waren. Für mich bleiben aber die Patriots Favorit in der AFC. In der NFC gibt es unglaublich viele Kandidaten, um es in den Super Bowl zu schaffen. Ich habe da im Moment die Eagles ziemlich weit vorn.

 

Du hast gerade schon die Cleveland Browns erwähnt. Was ist da zu erwarten von OBJ und Co.?

Die Basis ist natürlich immens in Cleveland. Zu meiner Football-Zeit hat es noch nie auch nur ansatzweise derartige Erwartungen gegeben. Es gibt natürlich zwei, drei Faktoren, die man als Variable reinwerfen muss. Freddie Kitchens zum ersten Mal Head Coach. Kommt er damit gut zurecht? Dann Baker Mayfield in seiner zweiten Saison. Sehen wir da vielleicht so einen kleinen Durchhänger mal irgendwo zwischendurch? Aber rein vom Talent her – was der Kader hat, ob es defensiv oder offensiv ist – ist das für mich eigentlich ein Playoff-Kandidat.

 

Was erwartet Adrian Franke von den deutschen Spielern in der Liga? Jakob Johnson oder auch von EQ?

EQ wird bei den Packers auf jeden Fall eine Rolle haben und auch keine kleine. Es war bei Green Bay auch wieder so, dass Teams uns im Draft sagen was sie denken. Sie haben die Wide Receiver Position so weit ich weiß komplett ignoriert und gar nichts gemacht. Was uns verrät, dass sie zufrieden sind mit dem was sie haben. Und/oder, dass sie ihre eigenen Leute entwickeln wollen. Da hast du Davante Adams als deine klare Nummer 1. Aber ich sehe Equanimieous St. Brown schon auch als einen ganz heißen Kandidaten, die Rolle von Randall Cobb zu übernehmen, der das Team verlassen hat. Die Rolle traue ich ihm zu.

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Bei Jakob Johnson finde ich es total spannend, dass er zu den Patriots gegangen ist. Er hat mir gesagt, dass das eigentlich das ideale Team ist. Sie sind eines der wenigen der Liga, dass diese Pass-Catching-Fullback-Tight End-Hybrid-Spieler einsetzt. So eine Art Spieler ist er. Dementsprechend bin ich echt gespannt, ob er in der Preseason auf sich aufmerksam machen kann.

 

Noch etwas zur Person Adrian Franke. Dein Buch „Amercian Football: Alles, was man wissen muss“ hat sicher jeder Fan zu Hause. Kommt da noch mehr von dir oder kannst du davon schon gut leben?

Leben kann ich davon leider noch nicht. Aber ich fange gerade in dieser Off-Season mit einem neuen Projekt an. Es wird auch ein Football-Buch sein. So viel kann ich schon sagen. Der taktische Aspekt wird schon drin präsent sein. Aber es wird mehr auch die erzählerische Perspektive geben. Es wird also ein bisschen mehr erzählend sein, aber auch Spielentwicklung und all diese Sachen werden darin vorkommen.

 

Zum Abschluss die Frage nach dem Champion der Saison 2019? Wen wünschst du dir?

Also wenn ich schon einen Wunsch habe, dann auf jeden Fall die Cardinals!

 

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  1. […] Nachschlagewerk geht noch mehr ins Detail. Adrian Franke ist zwar erst seit knapp 10 Jahren im Geschäft, aber wahrscheinlich versteht kaum jemand so viel […]

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