Seattle Seahawks – Die Geschichte

Aus Seattle im US-Bundesstaat Washington kommt so einiges, womit wir hier in Deutschland oft zu tun haben: Mircosoft, Starbucks, Boeing Flugzeuge, auch Kurt Kobain und eine der beliebtesten NFL Mannschaften überhaupt: Die Seattle Seahawks. Warum dieses noch relativ junge Franchise so beliebt wurde, warum das Team sowohl ein AFC als auch ein NFC Championship Game bestritt und wie laut es in ihrem Stadion wirklich ist – das alles in dieser Ausgabe von „Die Geschichte hinter den Teams“.

Seattle Seahawks - Logo
Quelle: NFL

Die Geschichte der Seattle Seahawks beginnt 1969. Der Zusammenschluss der AFL und der NFL zum kommenden Jahr war perfekt und die Liga sollte von 26 auf 28 Teams aufgestockt werden. Seattle war in dieser Zeit gleich 3 Mal im Rennen um ein Franchise. Ralph Wilson, der Eigentümer der Buffalo Bills, drohte damals mit einem Umzug an den Pazifik, weil es bei ihm in Buffalo Streit um ein neues Stadion gab. Das wurde schließlich doch gebaut und die Bills blieben. Dann gab es noch 2 komplett neue Pläne.

Hugh McElhenny, eine Football-Legende und Hall of Famer aus Seattle, begann zusammen mit anderen Geschäftspartnern die Stadt für die NFL zu begeistern. Der Arbeitstitel für das neue Team war erst „Sea Lions“ und später „Seattle Kings“. Sogar der Bruder von US-Präsident Richard Nixon gehörte zu den Befürwortern. Aber es gab noch eine Interessen-Gruppe – die „Seattle Professional Football Inc.“. Dahinter steckte unter anderem der Kaufhaus-Gigant Lloyd W. Nordstrom. Er bekam 1974 schließlich auch den Zuschlag für ein neues Team in Seattle. Die Investition: 16 Millionen Dollar.

Nicht die ersten Seahawks im Football

Auch in Seattle wurde der Name für das neue Team über einen Wettbewerb gesucht. Es gab über 20.000 Einsendungen mit etwa 1.700 Vorschlägen. Seattle Seahawks setzte sich schließlich durch und das, obwohl es schon einmal ein Football-Team mit diesem Namen gab. Nicht in der NFL, aber in der All American Football Conference spielten einige Jahre zuvor die Miami Seahawks. Allerdings nur eine Saison – 1946. Genau 30 Jahre später sollte es für die Seattle Seahawks in der NFL losgehen. Tragischerweise verstarb Investor Nordstrom wenige Woche vor dem ersten Spiel.

Seattle Seahawks - Schrift
Quelle: NFL

Erster Head Coach in Seattle wurde Jack Patera, der bis dahin bei den Minnesota Vikings Assistenztrainer war. Erster Quarterback war Jim Zorn. Als Wide Receiver konnte Steve Largent aus Houston geholt werden. Er ist so etwas wie die erste Legende des Teams. Am 12. September 1976 (10 Tage vor meinem Geburtstag!) traten die Seattle Seahawks zu ihrem ersten regulären Spiel an. Im heimischen Kingdome wurden sie allerdings von den St. Louis Cardinals mit 24:30 besiegt. In Woche 6 gab es den ersten Sieg – von insgesamt nur 2 in der gesamten Auftakt-Saison. Trotz dieser dürftigen Bilanz ist die 76 (wegen 1976) eine wichtige Nummer geworden.

Conference-Wechsel für die Seattle Seahawks

Bei der damaligen Expansion der NFL wurde festgelegt, dass die Seahawks und die ebenfalls neuen Tampa Bay Buccaneers, nach dem ersten Jahr die Conference wechseln. Nach einem Jahr NFC West, ging es 1977 für Seattle also in der AFC West weiter. Dadurch sollte es möglichst viele unterschiedliche Duelle geben. Auch die sogenannten „Expansion Bowls“ gehörten dazu. Also Duelle gegen die Buccaneers. Ausgabe I und II gingen jeweils an Seattle. Die Saison ging schließlich mit einer Bilanz von 5:9 zu Ende.

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Dieser Aufwärtstrend konnte 1978 fortgesetzt werden mit der ersten positiven Bilanz. Das 9:7 war aber nicht genug für die Playoffs. Dafür lieferte Full Back David Sims 15 Touchdows ab – Liga-Rekord. Schon im dritten Jahr setzten die Seahawks also deutliche Signale im hohen Nord-Westen der USA. In der folgenden Saison bekam zum ersten Mal das ganze Land das Team zu sehen. In einem Monday Night Game gegen die Atlanta Falcons lag man schon mit 0:14 zurück. Das Spiel wurde aber noch zu einem 31:28 Sieg gedreht. Unter anderem durch ein Fake Field-Goal-Pass.

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In den Medien ging nach diesem Sieg der Satz herum: „The Seahawks are giving the Nation a lesson in entertaining Football!“ Montagsspiele waren noch relativ neu, landesweite Spiele gab es auch selten. Es kam also ein erster Hype auf. Der hielt allerdings exakt eine Woche. Am nächsten Spieltag wurden die Seahawks von den LA Rams brutal auseinander genommen – und das auch noch zu Hause. Bei der 0:24 Klatsche stand im Spielberichstbogen von Seattle am Ende unter „erreichte Yards: -7“.

Neues Jahrzehnt – neue Probleme

Als die 1980er begannen lief es so gar nicht in Seattle. Es hagelte 9 Niederlagen am Stück, Fans warteten vergeblich auf einen Heimsieg und in der durch einen Spielerstreik verkürzten Saison 1982 flog schließlich Coach Patera raus. Sein Nachfolger wurde Mike McCormack, der aber schon im nächsten Jahr durch Chuck Knox ersetzt wurde. Mit diesem „neuen Besen“ kehrte plötzlich der Erfolg ein. Die Seattle Seahawks zogen zum ersten Mal in die Playoffs ein, bezwangen unterwegs die Denver Broncos mit John Elway und die Dolphins mit Dan Marino. Im AFC Championship Game war aber Schluss – gegen den späteren Super Bowl Champion LA Raiders.

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Die folgende Saison lief noch viel besser. Angeführt von Quarterback Dave Krieg, aber ohne den verletzten Superstar Curt Warner, gelang die bis dahin beste Saisonbilanz. Zu diesem 12:4 gehören eine 8:0 Siegesserie und 3 Siege zu Null. Trotzdem war in der Divisional Round der Playoffs Schluss. 1987 und 1988 waren die Playoffs ebenfalls früh zu Ende und es folgte eine ewige Durststrecke. Das Team bekam einen neuen Besitzer. „Gründungsmitglied“ Steve Largent trat zurück. Das Stadion bröckelte vor sich hin. Junge Spieler sollten es richtig und auch der Head Coach Posten wurde neu besetzt.

Umzug nach Anaheim

Anfang 1996 kam Besitzer Ken Behring auf die Idee, die Seattle Seahawks nach Anaheim umziehen zu lassen. Im Großraum Los Angeles war gerade „Platz geworden“, nachdem die Rams nach St. Louis wanderten. Die Büros wurden sogar schon nach Anaheim verlegt, als der Widerstand losging – in Seattle und auch innerhalb der NFL. Erst als die Liga mit empfindlichen Geldstrafen drohte, lenkte Behring ein – und verkaufte das Team. Neuer Eigentümer wurde Paul Allen – Mitbegründer von Microsoft. Er versprach auch ein neues Stadion zu bauen. Voriges Jahr starb er nach schwerer Krankheit. Dieser kleine Sprung nach vorne muss hier mal sein.

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Sportlich sind wir noch Ende der 1990er. Mit Mike Holmgren wurde 1999 der neue Head Coach aus Green Bay geholt und das sollte sich auszahlen. Auf Anhieb ging es wieder in die Playoffs – zum ersten Mal seit über 10 Jahren. Es gab zwar noch keinen Sieg, aber das Team spielte sich ein. Mittlerweile war auch RB Shaun Alexander verpflichtet worden. Es wuchs etwas zusammen und heran in Seattle. 2002 wurde die Liga etwas umstrukturiert, so dass die Seahawks wieder zurück in die AFC West wechselten, wo es einst für sie losging.

Neues Stadion – neue Möglichkeiten

Auch das versprochene neue Stadion konnte bezogen werden. Damals hieß es noch schlicht „Seahawks Stadion“. Heute kennen wir es als „CenturyLink Field“. In der Saison 2004 sahen viele Experten reelle Chancen auf eine Super Bowl Teilnahme. In der Wild Card Runde waren es schließlich die St. Louis Rams, die etwas dagegen hatten. Kurios: Die Niederlage war die insgesamt dritte der Saison gegen die Rams. Dazu kam schließlich noch ein Krach zwischen Running Back Shaun Alexander und Head Coach Holmgren.

Seattle Seahawks - Kopf
Quelle: NFL

In der Saison 2005 sollte es besser laufen. Mit einer 13:3 Bilanz ging es in die Playoffs. Der Sieg gegen die Redskins zum Auftakt war der erste Playoff-Sieg seit 1984 und der Einzug ins NFC Championship Game. Kurios: Die Seattle Seahawks standen 1983 schon im AFC Championship Game. Das muss man erstmal hinbekommen. Der Lohn der Mühe war die Teilnahme an Super Bowl XL. Die Pittsburgh Steelers holten sich hier allerdings den Titel. Das aber in einem Spiel, das vor Fehlern nur so strotzte. Bei den Seahawks und auch bei den Schiedsrichtern. Die entschuldigten sich immerhin später dafür.

Beast Quake in Seattle

Die folgenden Spielzeiten brachten maximal die Teilnahme an der Divisional Round der Playoffs – mehr aber auch nicht. 2010 wurde mit Pete Carroll der nächste neue Head Coach geholt. Er drehte das Team buchstäblich auf links – mit fast 300 Roster-Moves. Die Regular Season ging mit einer 7:9 Bilanz zu Ende. Das reichte in der NFC West aber trotzdem für Platz 1 und so kamen die Seahawks als erstes Team überhaupt mit einer negativen Bilanz in die Playoffs. In der Wild Card Runde warteten die New Orleans Saints. Das Spiel war die Geburt von „Beast Mode“ – Marshawn Lynch:

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67 Yards, 9 überstandene Tackles und am Ende der Touchdown. Es hält sich die Legende, dass während dieses Spielzugs in Seattle ein kleines Erdbeben durch die jubelnden Fans im Stadion ausgelöst wurde. Das CenturyLink Field ist bis heute bekannt für seine enorme Lautstärke. Über 136 Dezibel wurden hier gemessen. Das liegt vor allem an der besonderen Dachkonstruktion, die den Lärmpegel aufschaukeln lässt. Auch die Kansas City Chiefs behauptet mit ihrem Arrowhead Stadium das lauteste der NFL zu haben. Lauter als ein Heimspiel von Hertha BSC sind aber auf jeden Fall beide!

Die Legion of Boom formiert sich

Mit der Saison 2012 begann für die Seattle Seahawks eine neue Zeitrechnung. Quarterback Matt Hasselback wurde durch Rookie Russell Wilson abgelöst. Aber vor allem die Defensive machte sich einen Namen: „Legion of Boom“. Kam Chancellor, Richard Sherman, Earl Thomas und DeShawn Shead sind die bekanntesten Mitglieder dieser Abwehrreihe. Kam Chancellor ist für den Spitznamen verantwortlich. Er beschrieb in einem Interview den lauten Knall (Boom!), wenn seine Defensive zu Werke geht. Angelehnt an die Legion of Doom aus den DC Comics war die Legion of Boom formiert.

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Man könnte hier eigentlich fast alle 53 Spieler aufzählen, die damals in Seattle aktiv waren. Der Hype war enorm, die Hoffnungen der Fans natürlich genau so, aber die Seahawks hielten diesen Druck auch aus und rauschten in der Saison 2013 durch bis in den Super Bowl XLVIII. Da wartete mit den Denver Broncos die beste Offensive, die es also mit der Legion of Boom zu tun bekommen sollte. Seattle setzte sich am Ende sehr deutlich mit 43:8 durch und holte den Titel. Für Russell Wilson war es erst das zweite Jahr in der NFL!

Wiederholung des Erfolges?

So viele Teams brechen nach einem Super Bowl Gewinn ein. Die Seahawks blieben 2014 stabil und schafften es wieder ins Finale. Dieses Mal warteten die New England Patriots. Das Spiel war lange offen. Beim Stand von 24:28 aus Sicht von Seattle standen die Seahawks nur noch 1 Yard vor der Endzone – bei 20 Sekunden auf der Uhr. Dann fällte das Trainerteam eine folgenschwere Entscheidung. Statt eines Laufspiels mit Marshawn Lynch wurde ein Pass versucht. Der Corner Back der Patriots, Malcolm Butler, ging dazwischen, fing den Ball ab und das Spiel war zu Ende. Seattle ging leer aus.

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Nach diesem „schlechtesten Spielzug der Super Bowl Geschichte“ ging es in den folgenden Jahren Schritt für Schritt zurück in die zweite Reihe der Liga. Vergangene Saison musste ein großer Umbruch her, nachdem Kam Chancellor, Richard Sherman, Michael Bennett, Cliff Avril oder auch Jimmy Graham alle nicht mehr zur Verfügung standen. Für Schlagzeilen sorgte die Verpflichtung von Shaquem Griffin. Nicht nur weil sein Bruder Shaquill auch schon in Seattle spielt. Shaquem fehlt auch die linke Hand! Die Playoffs wurden zwar erreicht – aber mehr als Wild Card Football gab es nicht.

Die Nummer 12 in Seattle

Die Fans der Seattle Seahawks sind etwas besonderes. Sie sind nicht nur besonders laut, sind sie auch besonders treu. Daher wird die Nummer 12 im Team nicht vergeben, denn die gehört den Fans. Das Trikot mit der 12 hängt am Stadiondach, alle in der Stadt denken nur an die 12. Aber wer denkt dabei noch an Sam Adkins? Er war Backup Quarterback von 1977 bis 1982. Nur er trug bisher die 12 auf dem Trikot der Seattle Seahawks und wahrscheinlich wird er auch der einzige Spieler bleiben. Denn Tradition verpflichtet!


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5 Pings

  1. […] Russell Wilson von den Seattle Seahawks müssen wir unbedingt bei Social Media verfolgen, weil da die ganz wichtigen News […]

  2. […] Umbruch in Green Bay an. Coach Holmgrem ging und nahm ein Großteil seines Teams mit zu den Seattle Seahawks. Reggie White beendete seine Karriere. Auch wenn es weiter tollen Offensiv-Football zu sehen gab, […]

  3. […] zum Head Coach befördert – blieb aber auch nur das eine Jahr und ist heute eine Legende in Seattle. Er musste aber noch einen von vielen „December Collapses“ miterleben. In einem Spiel […]

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