NFL live in den USA

Jede Woche geht in der deutschen Football-Community die Diskussion los, warum ran Football wieder mal die New England Patriots zeigt und nicht die Cleveland Browns. Da wird dann wieder erklärt, dass ProSieben MAXX Spiele zur Auswahl angeboten werden, jemand anderes glaubt es nicht, der dritte schimpft über die Pausenmusik bei den DAZN-Übertragungen und der nächste zählt die Vorteile des NFL Game Pass auf. Das ist Alltag bei deutschen Football-Fans. Aber wie läuft es eigentlich im Mutterland des Footballs? Wo kann ich die NFL live in den USA sehen und was kostet der Spaß im Vergleich zu Deutschland? Ich habe mir das mal angeguckt.

NFL live in den USA - ABC

Dass die Fernsehrechte für die NFL die lukrativsten überhaupt sind, das ist allgemein bekannt. In der Top 30-Einschaltquoten-Liste der höchsten Nielsen-Ratings in den USA stehen 29 Super Bowls – und eine Folge M.A.S.H. Auch wenn der US-Präsident gerne behauptet, dass die NFL in den Ratings immer mehr verliert, die Werte sind enorm – und man darf auch nicht vergessen, dass nicht mehr nur im normalen TV geguckt wird, sondern auch im Internet oder zeitversetzt. Das ändert die Quoten natürlich. Ein Monday Night Football Game z.B. gucken immer noch rund 10 Millionen Amerikaner – oder mehr.

Wo die Amerikaner die NFL sehen können

Im Vergleich zu der doch recht übersichtlichen Rechte-Verteilung in Deutschland, ist es schon etwas komplizierter die NFL live in den USA zu gucken. Denn nicht alle Sonntagsspiele sind überall im Land ohne weiteres zu sehen, so wie wir es von ProSieben MAXX kennen. Aber der Reihe nach: Die Free-TV Rechte in den USA halten die 4 großen Networks CBS, NBC, Fox und ESPN. Der Deal läuft seit 2014 und noch bis 2022 – dafür kassiert die Liga rund 40 Milliarden (40.000.000.000 !!!) Dollar. Landesweit gibt es in der Regel “nur” 3 Spiele bei den Networks zu sehen. Thursday Night Football läuft bei Fox, Sunday Night bei NBC und Monday Night bei ESPN. Ausnahmen gibt es auch – z.B. für den Season-Opener oder Thanksgiving.

Die meisten Sonntagsspiele sind in den USA nur in einigen Teilen des Landes zu sehen – CBS und Fox teilen sich dabei die Übertragungen. In den USA gibt es nicht nur “ein Fox” als Beispiel, so wie bei uns z.B. “ein ProSieben MAXX”. Die Städte und Regionen haben jeweils ein “eigenständiges Fox”, das mit lokalen Inhalten “aufgefüllt” wird. Das wird bei Nachrichten oder eben auch bei der NFL gemacht. Aktuell ist es so, dass CBS Stationen Spiele zeigen, in denen das Auswärtsteam aus der AFC kommt. Fox zeigt dementsprechend die aus der NFC. Bei Spielen innerhalb einer Conference darf das Auswärtsteam entscheiden, welche Station die Übertragung übernimmt. Außerdem gibt es hier noch viele andere Verteilerschlüssel und Einordnungen der Teams etc. Das ist eine Wissenschaft für sich.

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Jedes NFL-Team hat außerdem einen zugeordneten TV-Markt – der entspricht dem Einzugsgebiet der Heimatstadt. Neben diesem Primary Market gibt es auch noch einen Secondary Market für ein erweitertes Einzugsgebiet. Das ist wichtig für die mögliche Übertragung am Sonntag. So werden nämlich alle Auswärtsspiele eines Teams in dessen Primary und Secondary Market gezeigt. Bei Heimspielen gilt: Sie werden im Primary Market gezeigt, aber nur wenn sie 72 Stunden vor Kickoff ausverkauft sind. Das ist die besagte “Blackout Rule”. Wir sprechen immer noch über alle Spiele am Sonntag Mittag bzw. Nachmittag – und natürlich ohne Corona-Regeln.

Ausnahmen bestätigen die TV-Regeln

Die Liste von Ausnahmen wird noch länger, wenn man an Städte wie New York oder Los Angeles denkt, die jeweils 2 NFL-Teams haben. Die Spiele von Rams und Chargers bzw. Jets und Giants laufen jeweils nie parallel. In Los Angeles gibt es außerdem Ausnahmen was die Heimspiele am Sonntag im frühen Zeitfenster betrifft – also um 19 Uhr unserer Zeit. Das wäre zum Teil 10 Uhr Ortszeit und nicht überall wird das gern gesehen, weil die Menschen um diese Zeit am Sonntag in der Kirche sind/sein sollten. Zu erwähnen ist auch noch das NFL Network. Das zeigt ebenfalls die Thursday Night Spiele und ausgewählte andere Spiele in der Saison. Zu allem Überfluss können angesetzte Spiele auch Dank “Flexible Scheduling” getauscht werden. Ihr seht schon, es wird immer verrückter.

NFL live in den USA - Technik

So umständlich ist es also schon mal die NFL live in den USA zu sehen, wenn man einen herkömmlichen Fernseher benutzt. Es gibt dann auch noch den Streaming-Weg. Die bei uns so beliebte NFL RedZone ist in den USA ein eigenständiger Sender, der extra gebucht werden muss. Dafür gibt es einige unterschiedliche Anbieter – die etwa 14 Dollar im Monat verlangen. Angeboten wird auch das Sunday Ticket. Damit können alle Spiele am Sonntag Nachmittag verfolgt werden, egal wo man wohnt. Der Spaß kostet dann schon 70 Dollar im Monat – alles plus Steuern.

Kein Game Pass, wie wir ihn kennen

Bei uns in Deutschland schwören viele Fans auf den NFL Game Pass. Der ist denkbar einfach gestrickt: Es gibt bei uns nämlich einfach alle NFL-Spiele des Wochenendes live zu sehen. In den USA geht das nicht. Da können mit dem Game Pass maximal die Zusammenfassungen der Spiele angeguckt werden – oder Spiele aus dem NFL-Archiv. So ein Luxus wie in Europa wird nicht angeboten. Auch Amazon Prime mischt bei der NFL mit, genau wie Twitch. Auf diesen beiden Wegen sind auch Spiele am Donnerstag zu sehen.

Zusammenfassend muss ich sagen: Wir in Deutschland sind wirklich sehr gut versorgt was die NFL im Fernsehen und Internet angeht – preislich sind wir auch im Vorteil. Da kann man auch gerne einmal darüber hinweg sehen, dass “nur” Tom Brady, die Seahawks oder die Patriots bei uns laufen. Ein Brady-Fan aus Chicago wird es im Vergleich dazu sehr schwer haben auf dem heimischen Sofa jedes Spiel seines Idols zu sehen. Es sei denn er bezahlt deutlich mehr, als wir mit den 11 Euro für DAZN pro Monat oder die knapp 40 Euro für den Game Pass im Quartal. Denkt mal daran, wenn die ran Football Crew die nächsten Begegnungen verkündet.

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