Wo soll die NFL in Deutschland spielen?

Es ist gerade das ganz große Thema bei den Footballfans: Die geplanten Spiele der NFL in Deutschland. Mittlerweile sind 3 mögliche Austragungsstädte bekannt: Frankfurt, Düsseldorf und München. Spätestens rund um den Super Bowl soll bekannt gegeben, welche Stadt den Zuschlag bekommt. Ich habe mich bei den 3 Bewerbern umgehört und gefragt, wie die Planungen jeweils aussehen. Da gibt es sehr interessante Antworten! Dazu gebe ich euch auch noch mal die Erklärung, warum meine Heimat- und Hauptstadt Berlin gar nicht im Rennen war. Also: „Wo soll die NFL in Deutschland spielen?“

Wo soll die NFL in Deutschland spielen?

Die NFL spricht selbst von einer „fantastic opportunity“, die ein NFL-Spiel in Deutschland bietet. Die Liga will auch nicht nur einmal vorbeikommen, sondern dauerhaft in der ausgewählten Stadt heimisch werden – ähnlich wie schon in London oder auch in Mexiko City. Es könnte sogar ein NFL-Büro eröffnet werden und eine Football-Akademie für den Nachwuchs entstehen. Das hat NFL Europa-Chef Brett Gosper die vergangenen Tage in mehreren Interviews angesprochen. Ab der Saison 2022 soll es bestenfalls schon mit den NFL-Spielen in Deutschland losgehen. Der Plan ist, dass es erstmal pro Saison jeweils ein internationales Spiel in Deutschland und Mexiko, sowie 2 in London gibt. Das sind die Eckdaten, die wir kennen.

Was sagen die 3 Bewerberstädte?

Ich habe mich bei den Verantwortlichen der 3 Städte umgehört und gefragt, wie weit die Planungen aktuell sind und was Frankfurt, Düsseldorf und München alles planen. Die Antworten fielen sehr unterschiedlich aus. München ist z.B. sehr zurückhaltend. Da schrieb mir das zuständige Referat für Bildung und Sport des Rathauses:

Die Landeshauptstadt München hat erste unverbindliche Gespräche mit Vertretern der National Football League (NFL) geführt. Ich bitte Sie um Verständnis, dass zum jetzigen Zeitpunkt über Inhalte und Details dieser Gespräche leider keine Auskunft gegeben werden kann.“

Landeshauptstadt München, Referat für Bildung und Sport

Das war mit Abstand die kürzeste Antwort auf meine Anfragen. Für viele ist München trotzdem der klare Favorit bei der Frage „Wo soll die NFL in Deutschland spielen?“. Die Allianz Arena ist modern – obwohl schon 15 Jahre alt – München ist weltweit wegen des Oktoberfests bekannt. Die beiden deutschen NFL-Sender sind hier zu Hause und weltweit glaubt ja sowieso jeder, dass alle Deutschen in Lederhose und mit Bierkrug herumlaufen. Da spricht vieles für München. Aber geht das auch über einen langen Zeitraum gut? Der FC Bayern braucht die Allianz Arena wegen Bundesliga und Champions League sehr regelmäßig. Wenn die NFL „einzieht“, muss immer eine große Lücke im Spielplan vorhanden sein, damit alles für den Football hergerichtet werden kann. Aus den „unverbindlichen Gesprächen“ werden aber bestimmt bald verbindlichere. Da bin ich mir sicher.

Wo soll die NFL in Deutschland spielen? - Allianz Arena
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Der heimliche Favorit bei der Suche nach einem deutschen Spielort ist für viele Fans Frankfurt am Main. Hier ist der amtierende Champion der European League of Football zu Hause. Die Frankfurt Galaxy sind eine bekannte Marke in diesem Sport. Frankfurt hat eine lange Vergangenheit mit den USA. Die Rhein-Main-Air Base war während des Kalten Krieges ein riesiger Stützpunkt der Amerikaner. Frankfurt dürfte also vielen Amis bekannt sein. Mit dem „Deutsche Bank Park“ (a.k.a. Waldstadion) gibt es außerdem ein football-erprobtes Stadion – sogar mit mobilem Dach. Die Antworten auf meine Nachfrage im Frankfurter Rathaus klingen auch sehr vielversprechend: Ich zitiere:

„Frankfurt ist eine internationale Stadt und hier wie in der Region gibt es eine große und gewachsene Fancommunity für Football. Die Teams der NFL, die zu den besten der Welt zählen, treffen in Frankfurt auf begeisterte und zugleich fachkundige Fans. Über einen Zeitraum von vier Jahren wird jeweils ein Spiel pro Jahr in der 2. Jahreshälfte stattfinden.“

Dezernat III – Planen, Wohnen und Sport der Stadt Frankfurt am Main

Man beachte, dass das Statement im Präsenz geschrieben ist. „Die Teams der NFL treffen in Frankfurt…“ und „… wird jeweils ein Spiel […] stattfinden“. Klingt schon ein bisschen nach Vollzug. Auch wenn man das Statement, das mir geschickt wurde, weiterliest:

„Das Spiel wird im Deutsche Bank Park ausgetragen […]. Es ist beabsichtigt, die Tailgate Party am Spieltag und auch das Fanfest auf dem Stadiongelände zu veranstalten.“

Dezernat III – Planen, Wohnen und Sport der Stadt Frankfurt am Main

Die Stadt Frankfurt hat sich richtig Mühe gemacht meine Anfrage zu beantworten. Das ist sehr lobenswert. Die letzte Frage, die ich ins Rathaus geschickt hatte, war noch: Wie geht es jetzt weiter?

„Aktuell läuft die 2. Phase der Bewerbung. Die weitere Planungen sieht enge Abstimmungen zwischen der NFL, dem Stadion und der Stadt vor, die in den nächsten Wochen abgeschlossen werden. Danach entscheidet die NFL über den Austragungsort.“

Dezernat III – Planen, Wohnen und Sport der Stadt Frankfurt am Main

Das Stadion in Frankfurt ist außerdem noch sehr dicht am Flughafen. Die Skyline wirkt sehr amerikanisch. Es gibt eine Menge Business-Hotels und die Nähe zur Bankenwelt hat auch eine gewisse Ausstrahlung. Ich kann es mir mittlerweile gut vorstellen, dass die NFL hier ihr Zuhause für Deutschland findet. Außerdem spricht sich „Frankfurt“ auch sehr gut im American English und: In den USA gibt es dutzende Städte, die Frankfort heißen. In Kentucky ist es sogar die Hauptstadt des Bundesstaates. Das ist natürlich kein Kriterium für die NFL in Deutschland. Aber ein Funfact am Rande.

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Dann wäre da noch Düsseldorf. Die zuständige Agentur für die Landeshauptstadt von NRW hat sich mit Abstand die meiste Mühe gemacht meine Anfrage zu beantworten. Vielen Dank dafür. Da heißt es u.a., dass Düsseldorf schon andere große Sportevents veranstaltet hat bzw. veranstalten wird. Etwa die Tour de France oder die Fußball Euro 2024. Außerdem stehe man „im ständigen Austausch mit der NFL“:

„Ziel ist, ein Fest des American Footballs in der gesamten Stadt und gesamten Region zu feiern. Noch eine Dimension weiter gedacht, verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz zur Förderung des Sports bzw. des American Footballs. Mit den Düsseldorf Panthern, Typhoons und Bulldozer und nun auch wieder mit unserem Publikumsliebling Rhein Fire sind wir bereits sehr gut aufgestellt. Das NFL International Game soll das Highlight in diesem breit aufgestellten Gesamtkonzept werden.“

Sportstadt Düsseldorf – D.Live GmbH

Das klingt für mich sehr schlüssig. Ich habe dann auch noch gefragt, was Düsseldorf bietet, was Frankfurt und München nicht bieten können. Da heißt es zunächst natürlich, dass alle 3 Bewerber gute Gastgeber für die NFL wären:

„Trotzdem unterschiedet sich Düsseldorf in einigen Gesichtspunkten entscheidend von Frankfurt und München. Düsseldorf liegt im Herzen von NRW und verfügt über ein enormes Einzugsgebiet, zu dem neben den Metropolen der Rhein-Ruhr-Region auch die Niederlande, Belgien und Frankreich zählen. Ein International Game in Düsseldorf wäre ein International Game für ganz Westeuropa.

Sportstadt Düsseldorf – D.Live GmbH

So hatte ich das bisher noch nicht betrachtet. Düsseldorf hat übrigens auch die größte japanische Community in Deutschland. Da würde die NFL vielleicht sogar gleich noch einen zweiten Markt miterobern, wenn die Liga hier her kommt. Das Stadion bietet auch noch viele Pluspunkte:

„Außerdem ist die MERKUR SPIEL-ARENA speziell auf American Football ausgerichtet. Die XXL-Umkleidekabinen und das komplett verschließbare Dach mit dem beheizbaren Innenraum machen die Arena zum idealen Austragungsort.

Sportstadt Düsseldorf – D.Live GmbH

Das mit den Umkleidekabinen ist ein spannender Punkt. Meine Erfahrung von den London-Spielen zeigt, dass der NFL-Profi gerne eine große und bekannte Umgebung zum Umziehen hat. Es sind 53 Spieler dabei, dutzende Trainer und Verantwortliche, viel Equipment und viel Essen und Trinken. Bis Corona haben die Teams zu den Europa-Spielen so gut wie alles aus den USA mitgebracht. Sogar die Cola-Dosen. Da werden keine aus England benutzt. Das könnte die Spieler vielleicht verwirren.

Düsseldorf ist also auch extrem gut aufgestellt für ein NFL-Spiel in Deutschland. So wie Frankfurt und sicher auch München. Die Rahmenbedingungen stimmen, das Umfeld, das Stadion auch. Düsseldorf ist weltweit aber vielleicht doch noch eine Spur unbekannter als Frankfurt und München. Das darf man auch nicht vergessen. Die NFL wird überall auf der Welt geguckt und wenn da ein Spiel aus Deutschland angepriesen wird, werden möglicherweise noch einige denken „Dussel-what?“. Vielleicht stolpern auch einige über den Umlaut im Namen. Oder man gleicht das mit geschicktem Marketing aus. Die NFL wird es können.

Was ist eigentlich mit Berlin?

Einige Fans sind enttäuscht, dass Berlin nicht in der engeren Auswahl ist. Wenn eine deutsche Stadt weltweit bekannt ist, dann ja wohl Berlin. Das Olympiastadion ist zwar nicht das schönste der Welt, aber es ist groß und im Innenraum ist viel Platz. Berlin ist aber bei der NFL nicht „durchgefallen“. Die Stadt hat sich gar nicht um die Austrage der Deutschland-Spiele bemüht. Die zuständige Senatsverwaltung für Inneres und Sport hatte mir schon im August erklärt, dass man sich nicht beworben hatte. Denn:

„An Ausschreibungsverfahren eines kommerziellen Sportanbieters können wir nicht wie geplant teilnehmen, da wir an das Gesetz zur Förderung des Sports in Berlin (Sportförderungsgesetz) gebunden sind. Der Hintergrund dazu ist, dass diese Art der Veranstaltung nach dem Sportfördergesetz nicht förderungswürdig ist.“

Senatverwaltung für Inneres und Sport Berlin

Für weitere Gespräche würde Berlin aber zur Verfügung stehen, so der Nachsatz. Aber ich denke, der Zug für die NFL in der Hauptstadt ist abgefahren. Um im Bild zu bleiben: Ich werde also nicht mit der S-Bahn zur NFL fahren können, sondern muss in den ICE steigen – in welche Richtung auch immer. Egal ob Frankfurt, München oder Düsseldorf den Zuschlag erhält, es wird auf alle Fälle ein Event, das wir Football-Fans nicht so schnell vergessen werden. Das Stadion wird in mindestens 7 Sekunden ausverkauft sein und wenn dann noch die New England Patriots kommen – mit Jakob Johnson – könnten Freudentränen kullern.