Fazit der ersten ELF Saison

Der erste Champion der European League of Football heißt Frankfurt Galaxy. In einem sportlich hochklassigen Finale in Düsseldorf haben sie die Hamburg Sea Devils mit 32:30 besiegt. Mit dem Spiel geht eine ELF-Saison zu Ende, über die wir alle so viel diskutiert haben. Aber wie war es wirklich? Ist das Produkt in Europa angekommen? Was sollte in der neuen Saison anders werden? Und was wird definitiv anders? Mein Fazit der ersten ELF Saison gibt es jetzt hier:

European League of Football - Logo
Quelle: European League of Football

„Die European League of Football ist die beste Liga in Europa – ohne Wenn und Aber!“ Das war das Fazit von Commissioner Patrick Esume. Das muss er auch sagen und ich finde, so falsch liegt er damit nicht. Von vielen anderen Ligen in Europa bekommt man selbst als Football-Heavy-User wenig bis gar nichts mit. Ich denke, in der Außendarstellung und in der eigenen Präsentation hat die ELF auf Anhieb alle Europäer überholt – auch die GFL. Die TV-Präsenz, Coach Esume und seine Kanäle und die bestehende Football-Bubble in Deutschland haben natürlich auch dabei geholfen, dass die European League of Football auf Anhieb ein vernünftiges Standing bekommen hat.

Wie war es auf dem Platz?

Für mein Fazit der ersten ELF Saison kann ich immerhin auf 5 Stadionbesuche zurückblicken – dazu viele, viele Spiele am Fernseher. Was haben wir uns vor dem ersten Kickoff den Kopf zerbrochen, ob das alles sportlich ansehnlich sein wird. Natürlich sieht selbst ein NFL-Spiel mit den New York Jets manchmal spektakulärer aus. Natürlich waren viele ELF-Spiele mit Fehlern durchzogen: Zu kurze Field Goals, schnell fallengelassene Bälle, Flüchtigkeitsfehler im Coaching o.ä. Mein Eindruck im Stadion war aber: Das macht alles nichts, weil man gut aufgezogene Footballspiele quasi vor der Haustür hat und als Fan live dabei ist. Das ist es auch, was Coach Esume uns bieten wollte. Football zu Hause.

Bei den TV-Übertragungen hat natürlich geholfen, dass diese von der bekannten ran Football-Crew übernommen wurden. Das strahlt auch eine Wichtigkeit aus. Bei den ersten Spielen gab es allerdings auch mal Pannen. Da war mal das Bild weg, der Kommentator nicht zu hören oder im Stadion fehlte die Play-Clock. Das ist aber ausgebügelt worden. Die Liga ist präsent bei Social Media, es werden Highlightclips produziert und dann war da ja auch noch die Serie mit Kasim Edebali „Food Balls„, die Fans auf ganz andere Weise binden sollte. Alles in der heutigen Zeit sehr gute Wege, um ein Produkt nach vorne zu bringen. Das macht die NFL nicht anders. Man muss im Game Pass nur mal gucken, was es da alles an Produktionen gibt.

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Vor dem Start der European League of Football hagelte es auch viel Kritik – vor allem vom AFVD und einigen GFL-Verantwortlichen. Die ELF würde die Strukturen sprengen, Vereine kannibalisieren und was da noch alles zu hören war. Der Kampf wird sicher auch in der Off-Season weitergehen. Ich würde mir allerdings wünschen, dass nicht nur gejammert, sondern auch mal konstruktiv argumentiert und gehandelt wird. Die GFL ist doch auch im Free-TV präsent. Die Übertragungen bei Sport 1 sind mit Andreas Renner, Jo Ullrich und Co auch gut gemacht. Es wäre doch einen Gedanken wert, wie beide Ligen parallel existieren und sich gegenseitig unterstützen könnten? Nur so als Idee von mir.

Was kommt 2022?

Die zweite Saison der European League of Football soll noch größer werden. Die ersten neuen Teams sind schon bekannt. Aus Österreich kommen die Vienna Vikings (Wie sind die Wikinger wohl nach Österreich gekommen? Per Schiff wohl nicht) und die Raiders Tirol aus Innsbruck. Beides etablierte Teams, die durchaus schon einen Namen haben. Notiz am Rande: Beide werden in der European League of Football starten UND ein Team in der österreichischen Liga haben. Der Verband freut sich sogar über diesen Schritt. Siehst du, AFVD? Geht auch so! Als drittes neues Team ist Düsseldorf Rhein Fire angekündigt.

Als ich das hörte, musste ich an einen Satz von NFL RedZone-Moderator Scott Hanson denken. Er sagte mal über sein Erfolgsgeheimnis: „Serve your audience!“ Also sinngemäß: „Gib deinem Publikum was es möchte!“ So viele Fans haben sich Düsseldorf Rhein Fire zurückgewünscht und die Liga macht es wahr. Natürlich beim Finale in Düsseldorf. Das passt, das schafft Nähe und das sorgt für positive Stimmung! Die ELF besteht damit also vorerst aus elf Teams. Aber es könnten noch einige dazu kommen. Commissioner Esume will es aktuell nicht sagen. Aber er hat es schon vor einigen Wochen mal getan: Bei einer Presserunde hatte er angekündigt, dass London definitiv in die European League of Football kommen wird. Vielleicht sogar als London Monarchs? Noch so ein Name von damals…

Gibt es auch etwas schlechtes?

Mein Fazit der ersten ELF Saison soll keine Lobhudelei werden. Es gibt durchaus auch ein paar kritische Punkte. Viele Fans haben sich über die Eintrittspreise gewundert. Wenn man etwa 50 Euro zahlen muss, um einigermaßen gut zu sitzen, dann ist das vielleicht etwas hoch angesetzt. Klar, es muss auch Geld reinkommen – und die Pandemie hat da sicher Löcher hinterlassen. Ich bemühe hier noch mal den Vergleich mit den New York Jets: Da kann ich für 50 Dollar auch schon ein NFL-Spiel sehen. Außerdem sollte die European League of Football noch mehr unternehmen, um in den Mainstream zu kommen. Andere Sender, Zeitungen oder Online-Anbieter berichten zwar schon. Aber es fehlen Storys, die auch bei der Masse ankommen. Über Spieler, Trainer etc. Das würde ich mir wünschen. Da passiert schon einiges in Ansätzen, muss aber vielleicht auch noch wachsen.