Saisonstart in der ELF

Was haben wir uns in den vergangenen Monaten die Köpfe heiß diskutiert. Jetzt hat die Saison der European League of Football endlich begonnen. Mit spannenden Spielen, mit Fans in den Stadien, mit Live-Übertragungen auf diversen Wegen. Und wie wars? Das sind meine Eindrücke vom Saisonstart in der ELF – vor dem Fernseher und im Stadion von Berlin Thunder.

Saisonstart in der ELF - TV 1

Die Umstände für den Saisonstart in der ELF waren schon etwas schwierig: Ein Wochenende mit 35 Grad fast im ganzen Land und dann lief auch zeitgleich zu den ersten Spielen noch bei der Fußball-EM Deutschland gegen Portugal. Aber davon lässt sich der Footballfan nicht abhalten und so saß auch ich am Samstag auf dem Sofa und habe mir den Auftakt bei More Than Sports TV angesehen. Ich hatte mir für die Fußball-EM sowieso ein Flex-Abo von Magenta TV für 10 Euro abgeschlossen. In dem Paket ist auch der neue Sender enthalten, der die ELF überträgt.

Der erste Eindruck – ein guter

Den Ablauf der Vorberichterstattung habe ich zwar nicht ganz verstanden. Da liefen mal Interviews und dann kam minutenlang nur eine Infotafel. Aber um kurz vor 18 Uhr meldete sich Kommentator Franz Büchner vom Spiel der Wroclaw Panthers gegen die Cologne Centurions. Franz Büchner kennen viele sicher von DAZN, wo er u.a. die NFL kommentiert. Er ist auch gleich der erste gute Eindruck: Fachlich 1a und mit den nötigen Emotionen führte er durch das Spiel. Ich habe Franz auch schon mal persönlich kennen gelernt – sein Stil macht Spaß und passte gut.

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Die Übertragung aus Breslau hatte hier und da mal ein paar technische Schwierigkeiten, die aber nicht wirklich ins Gewicht fallen. Das Design der European League of Football finde ich auch gut. Moderne Grafiken, nicht zu aufdringlich. Die Yards-Linien waren auch gut sichtbar. Da hat Coach Esume also nicht zu viel versprochen. Insgesamt wirkte das alles auf mich viel professioneller als es einige vielleicht erwartet hätten.

Beim zweiten Spiel des Tages ging leider einiges schief. Die Übertragung von Barcelona Dragons gegen Stuttgart Surge auf ran.de begann verspätet und dann wurde auch noch der Kommentator vermisst. Bei Social Media war das natürlich großes Thema und es wurde – wie so oft bei der European League of Football – Hohn und Spott ausgeschüttet. Merkwürdig finde ich, dass sonst gerne bei Twitter und Co. über die „dummen Sprüche der Kommentatoren“ gejammert wird und sich einige eine Übertragung im Originalton wünschen. Hier wäre die Chance gewesen zufrieden zu sein.

Tolle Stimmung in Barcelona

Wegen der Corona-Pandemie müssen wir vorerst noch auf ganz volle Stadien zum Saisonstart in der ELF verzichten. In Breslau hat es sich auch danach angehört. Im zweiten Samstags-Spiel in Barcelona war dagegen die Stimmung richtig gut.

Das Niveau der Begegnungen war im Vorfeld auch ein ewiges Diskussionsthema. Sicher, das hier ist nicht die NFL. Die Quarterbacks haben nicht das Niveau eines Patrick Mahomes oder Tom Brady. Es läuft kein Derrick Henry und es verteidigt auch kein Aaron Donald. Was die European League of Football stattdessen aufgeboten hat, ist trotzdem sehenswert – aber eben auf dem eigenen Level. Im Vorfeld haben viele Trainer gesagt, dass die Spieler brennen und nach der Corona-Pause richtig Bock auf das Spiel haben. Wenn man das erkennt, dann vermisst man Brady, Mahomes und andere nicht wirklich.

So ist die ELF live im Stadion

Als Berliner verfolge ich natürlich genau was Berlin Thunder macht. Das Team hatte gerade noch rechtzeitig vor dem Spiel die Erlaubnis bekommen Dank der Corona-Lockerungen rund 700 Fans ins „Stadion am Wurfplatz“ zu lassen. So heißt die vorläufige Heimat auf dem Berliner Olympiagelände. Keine Hochglanzarena, aber gemütlich und sehr modern. Das Stadion ist allerdings keine Dauerlösung.

Saisonstart in der ELF - Thunder 2

Spätestens zu Spiel 4 will Berlin Thunder im Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg spielen. Das kennen viele Fans von außerhalb sicher von diversen German Bowls. Noch ist das Stadion stillgelegt und muss erstmal fitgemacht werden. Wenn die Corona-Lage es zulässt, kann Berlin Thunder hier bis zu 10.000 Zuschauer unterbringen! Darauf freue ich mich schon das zu erleben!

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Beim ersten Spiel von Thunder gegen die Leipzig Kings war die Stimmung in der „kleinen Hütte“ ziemlich gut. Die Corona-Regeln wurden sorgfältig eingehalten und für die doch kurze Vorbereitungszeit war die Organisation erstaunlich zuverlässig. Es fehlte aber leider eine Play-Clock für die Spieler, oder auch ein Fanshop und vielleicht noch ein weiterer Imbissstand für die Zuschauer. Aber Spaß hat es vor Ort gemacht. Blöd nur, dass Thunder verloren hat und beide Teams so gut wie alle Strafen einmal durchprobieren mussten. Bei fast jedem zweiten Spielzug flog eine gelbe Flagge. Hier könnte man über das Niveau der ELF sprechen – aber vielleicht nicht sofort nach dem ersten Spiel.

Der Saisonstart der ELF bestand aus insgesamt 4 Begegnungen. Das Spiel des Wochenendes zwischen den Hamburg Sea Devils und der Frankfurt Galaxy wurde groß bei ProSieben MAXX gezeigt. Der TV Deal sieht vor, dass immer am Sonntag ab 15 Uhr eine ELF-Begegnung live im Free-TV gezeigt wird – kommentiert von den bekannten Stimmen und Gesichtern aus den NFL-Übertragungen. Jan Stecker und Volker Schenk haben den Auftakt übernommen. Ich habe es natürlich nur im Re-Live gesehen und war ziemlich beeindruckt von der Produktion.

Die Leistung der beiden Kommentatoren war genau so gut, wie man es von den beiden erwarten konnte. Natürlich wird so eine Übertragung für das „breite Publikum“ gemacht und nicht nur für die absoluten Football-Nerds. Wenn der Produktionsaufwand so beibehalten wird, dann erwarten uns einige großartige Football-Sonntag bei ProSieben MAXX. Die Stimmung in Hamburg war auch erstaunlich gut dafür, dass nur etwas mehr als 1.000 Fans in Stadion durften. Wenn es noch voller werden darf, wird es sicher noch sehenswerter.

Fazit Week 1

Aus meiner Sicht ist der Saisonstart der ELF geglückt. Das Grundgerüst der Liga ist stabil, die Aufmachung sehenswert. Was versprochen wurde, ist auch eingehalten worden. Wie sich das Niveau im Verlauf der 12 Spielwochen verändert, dürfte interessant werden. Ich bin auch gespannt, was noch vollere Stadien ausmachen. Die European League of Football muss die Aufmerksamkeit jetzt oben halten, in den Medien, bei Social Media und vor allem bei den Fans. Es wäre schade, wenn die Euphorie des Starts über die Sommerferien verfliegt und dann zum NFL-Start untergeht.