Super Bowl LI

Ich saß bestimmt ein paar Minuten mit offenem Mund vor dem Computer, als die Bestätigung für meine Teilnahme am Super Bowl LI in Houston von der NFL eintraf. Jahrelang träumt man als Fan davon einmal im Stadion zu sein und dann ist man plötzlich einer von 5.000 akkreditierten Journalisten aus aller Welt. Live dabei beim Spiel der New England Patriots gegen die Atlanta Falcons.

Für mich passte es perfekt. Ich habe Freunde in Houston, die mich natürlich sofort zu sich nach Hause eingeladen haben. Der Amerikaner ist eben gastfreundlich wie kaum jemand sonst. Also saß ich im Flieger nach Houston, wurde vom Flughafen abgeholt und mein Kumpel Hank und seine Frau Kristy hatten extra die Kinder zu Verwandten geschickt, damit ich mein „eigenes Zimmer“ im Haus bekommen konnte.

Beim Abendessen mit Rihanna

Die beiden hatten in weiser Voraussicht auch schon Monate vor dem Super Bowl LI-Wochenende im angesagtesten Restaurant der Stadt einen Tisch reserviert. Als wir da ankamen, war ich zwar schon fast 24 Stunden wach und vielleicht auch etwas underdressed. Aber der Abend hat schon gezeigt, wie die Stadt Houston mit dem Super Bowl umgeht.

In diesem Restaurant – dem Steak 48 – traf sich die gesamte Prominenz, Spieler, Trainer und wer noch alles gesehen werden wollte. Tim Tebow war zum Beispiel da, die ehemaligen NFL-Spieler Bucky Richardson und Cris Collinsworth ebenfalls, George Foreman hat sich auch durch die Menge „geboxt“ – und ich bin mir ziemlich sicher, dass ein paar Tische weiter Rihanna saß. Dass das Steak 56 Dollar gekostet hat, war ein erster „Vorgeschmack“ auf die Preise beim Super Bowl allgemein.

Everthing’s bigger in Texas

Am Morgen danach war dann „Super Bowl Sunday“. Der begann für mich bei der NFL Experience – dem Fanfest in Downtown Houston. Hier hatte am Abend noch ZZ Top gespielt, als ich mit Rihanna essen war…

Fanfest ist eigentlich total untertrieben. Das George R. Brown Convention Center ist ein etwa 500m langer Gebäudekomplex, der bis unters Dach gefüllt war mit NFL Erlebnis-Landschaften. Komplette Football-Felder auf denen gespielt wurde, Virtual-Reality-Anlagen, Football-Simulationen, Madden-Wettkämpfe, Wurfflächen und natürlich ein Fanshop in beispielloser Größe:

Alles bei kostenlosem Eintritt und alles extrem gut besucht. Viele Fans kommen einfach nur in die Stadt, um dem Super Bowl LI nahe zu sein. Ins Stadion gehen die wenigsten. Aber auch vor dem Convention Center war Betrieb. Die TV-Sender hatten hier ihre Open-Air Studios, auf einer Bühnen traten die typischen Country-Band auf – und das alles bei knapp über 20 Grad – plus – Celsius – Anfang Februar.

Schon um 12 Uhr ging dann der erste Shuttle-Bus zum Stadion – mit Polizei-Eskorte! Da kommt man sich schon wichtig vor und ich gebe zu: Ich habe am Fenster auch den Leuten draußen zurückgewinkt!

Da war ich dann also wieder am ehemaligen Reliant Stadium – heute das NRG Stadium. Knapp 8 Jahre vorher hatte ich hier mein erstes NFL Spiel erlebt – jetzt sollte der erste Super Bowl folgen.

Auf dem Parkplatz hörte ich dann plötzlich eine Stimme hinter mir: „Da bist du ja!“. Günter Zapf von DAZN stand plötzlich neben mir. Ich hatte ihn zu meiner Radio-Zeit in München kennengelernt und seit dem immer wieder mit ihm Interviews zum Super Bowl gemacht. Wir hatten uns locker verabredet. Aber das wir uns unter tausenden Journalisten auf dem Parkplatz treffen, damit hat niemand gerechnet.

Günter war schon bei einigen Super Bowls, also konnte er mir hier einige Tipps für den Tag mitgeben. Danke dafür! Unsere Plätze lagen dann leider sehr weit auseinander, so dass wir uns gar nicht gemeinsam über das Spiel freuen konnten.

Schon 4 Stunden vor Kickoff hingesetzt

Ich habe mich um 13.30 Uhr Ortszeit auf meinen Platz gesetzt. Zweite Reihe von oben – Seitenlinie – etwa auf Höhe der Endzone. Ausgestattet mit Essen, Trinken, Kader-Informationen, Steckdosen, WLAN, Miniradio für den Play-by-Play-Kommentar und dem Hochglanz-Programmheft.

Kickoff zum Super Bowl LI war um 17.30 Uhr. Aber ich konnte mich einfach nicht satt sehen. Ständig passierte irgendwas. Als es dann zum Münzwurf kam, ging der erste Jubel durch das Stadion. Ex-Präsident Georg Bush Senior und seine Frau Barbara kamen aufs Feld. Beide lebten damals in Texas, er war eine Woche vorher noch wegen einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Hier erhob sich alles – auch die internationale Presse. Leider ist Bushs Frau Barbara in diesem Jahr gestorben…

Die Nationalhymne hatte Luke Bryan übernommen, ein Country-Sänger. Das muss in Texas wohl so sein. Vom eigentlichen Spiel wird jeder Football-Fan gehört haben. Die Atlanta Falcons gingen schnell in Führung und auch sehr deutlich. 21:3 führten sie zur Halbzeit gegen die Patriots. Matt Ryan führte Tom Brady regelrecht vor – und das Stadion stand dabei mehrheitlich auf seiner Seite.

Die Halbzeitshow mit Lady Gaga

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit wurde es plötzlich warm im Stadion. Das bin dahin noch geschlossene Dach ging auf und es machte schon das Gerücht die Runde, dass Lady Gaga die Halbzeitshow beim Super Bowl LI vom Dach des Stadions beginnen wird. So kam es dann auch.

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Eigentlich ist die Musik von Lady Gaga nicht meine Welt. Aber das hier war der Super Bowl. Etwa eine Milliarde Menschen gucken sich das an und es war von Sekunde 1 bis zum Schluss perfekt. Die Lichtshow, der Sound, die Effekte und die Stimmung sowieso. Selbst die „neutrale“ Pressetribüne stand komplett und feierte diesen Moment. Und nein: Es gab keine bösen Sätze in Richtung Donald Trump, wie befürchtet wurde.

In der zweiten Halbzeit wurden wir dann Zeuge der eigentlichen Geburt des GOAT. Tom Brady schaffte mit seinen New England Patriots das eigentlich unmögliche: 25 Punkte Rückstand aufholen, die erste Overtime in der Geschichte des Super Bowls erzwingen und dann den Titel holen! (Recap von NFL.com)

In Deutschland wird gerne geschimpft, dass ein Football-Spiel dauernd unterbrochen wird. Als Besucher und Reporter im Stadion ist das allerdings mehr als nötig. Ständig passiert irgendwas im Rahmenprogramm und das muss schließlich auch verarbeitet werden. Ehemalige Spieler werden auf dem Feld geehrt, Promis im Publikum werden gezeigt. Ich war am meisten fasziniert von Buzz Aldrin – dem zweiten Mann auf dem Mond. Auch er war da. Klar: NASA, Houston. Das passt.

Ich hatte oben schon angemerkt, dass so ein Super Bowl nicht ganz günstig ist. Tickets kosten mindestens 4stellige Dollar-Beträge, die Hotels der Stadt erhöhen ganz plötzlich die Preise. Auch im Stadion kostet der Spaß einiges: Diesen Hotdog gab es für 8 Dollar. Das Bier für 12 Dollar. Eine Cola etwa 10 Dollar. Aber für diesen einen Tag ist das alles egal. Es ist Super Bowl LI . Das erleben die meisten Menschen nur einmal im Leben und da will/kann/sollte man nicht sparsam sein.

Nach dem Spiel klingelte dann pausenlos mein Handy. Die Redaktion in Berlin wollte doch ein paar Beiträge mehr haben als ursprünglich gedacht. Das Spektakel hatte wirklich alle Kollegen mitgerissen. Am Morgen danach bekam ich von einem Redakteur eine E-Mail, in der er sich für meinen Einsatz bedankt hatte. Er selbst ist Football-Laie und er fühlte sich total angesteckt von meiner Begeisterung. Ich zitiere aus dieser E-Mail: „Man hat gehört, dass dir vor Glück die Sonne aus dem Ar*** scheint“.  Besser lässt sich mein erster Super Bowl kaum zusammenfassen. Und es war nicht der letzte…

Super Bowl LI – ein Traum wurde wahr

Noch ein Wort zur Gastfreundschaft der Amerikaner: Als mich Hank und Kristy zum Flughafen gebracht haben und ich mich für alles bedankt hatte, sagten sie: „Nein, wir haben zu danken. Danke, dass du bei uns zu Gast warst“.

 

9 Pings

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  1. […] Das ich 9 Jahre später im selben Stadion meinen ersten Super Bowl erleben durfte, ist dann eine andere Geschichte … […]

  2. […] Super Bowl LI in Houston haben wir uns nach langer Zeit mal wieder getroffen. Aber in der Zwischenzeit gab es […]

  3. […] waren (als Auswahl): Die Rolling Stones, Prince, The Who, Tom Petty, Katy Perry, Justin Timberlake, Lady Gaga, U2, Coldplay, Beyonce, Bruno Mars, Sting, Phil Collins, Aerosmith, Britney Spears, Steve Wonder, […]

  4. […] der „Divisional Round“ folgen die AFC und NFC Championchip Games. Im Super Bowl treffen dann der Sieger beider Conferences aufeinander. Ganz einfach. […]

  5. […] den Wahnsinn, der in den USA abgeht. Ich selbst durfte schon 2 Mal live im Stadion dabei sein. 2017 in Houston und vergangene Saison in Minneapolis. Bis dahin habe ich schon viel Live-Sport erlebt: Ich war bei […]

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  7. […] Element davon. Beim Super Bowl wird das Dach aber wohl zu bleiben. Das dritte Mal in Folge, nach Houston und […]

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