Das wars. Die NFL Saison 2025 ist vorbei. Super Bowl LX ist gespielt. Die Seattle Seahawks schlagen die New England Patriots. Ich durfte wieder live dabei sein – mein 8. Super Bowl live vor Ort. Und so viel kann ich schon mal sagen, bevor ich die Reise hier zusammenfasse: Es war insgesamt die beste Reise zu einem Super Bowl! Aber der Reihe nach.

Anders als in den Jahren zuvor habe ich in San Francisco alles mitgemacht – die gesamte Super Bowl-Woche von Montag bis Sonntag. Der 11 Stunden-Flug musste sich auch lohnen. Außerdem war ich so eine Woche raus aus dem verschneiten und vereisten Berlin und dafür in einer Stadt, in der jeden Tag die Sonne schien – teilweise bei knapp über 20 Grad Celsius. Das fühlt sich im Februar zwar komisch an. Aber man kann sich daran gewöhnen.
Eine Woche Programm bei Super Bowl LX
Von Montag bis etwa Freitag gab es jeden Tag Pressekonferenzen, wir konnten zu den Trainings der Mannschaften, Bad Bunny hielt Hof, um seine Halftime Show vorzustellen. Jeden Tag war irgendwas geboten. Wenn man gerade keine Lust hatte auf Pressekonferenzen, dann konnte man durch die Media Row laufen. Hier waren sie alle – aktuelle Spieler, ehemalige Spieler, NFL-Insider, Reporter, Wrestler und ich mitten drin. Das ist immer wieder besonders so dicht dran zu sein. Man kann in dieser Media Row stundenlang „rumgucken“ – langweilige wird es nie.

Weil ich dieses Mal so lange in der Stadt war, konnte ich auch Opening Night und Media Party mitmachen. Einige Kolleg*innen waren von den Events enttäuscht, weil sie deutlich kleiner ausfielen als die Jahre zuvor. Ich kann da wenig schlechtes sagen. Für uns Journalisten kostet das alles nichts, es gibt Verpflegung und ein Bus-Shuttle. Da ist vielleicht auch etwas Dankbarkeit angebracht. Bus-Shuttle ist ein wichtiges Stichwort: Es wurde sehr viel Bus gefahren. Vom Medienzentrum in San Francisco zum Stadion dauerte die Fahrt über eine Stunde. Die Teams waren alle in San Jose – was noch weiter weg war.
Meine Highlights in San Francisco
Leider fand dieser Super Bowl wieder ohne Günter Zapf statt. Er war immer eine große Hilfe für mich, weil er immer alle Spieler und Promis erkannt hat, die an uns vorbeiliefen. Ich schaffe das nur bei einem Bruchteil. Vor allem in der Media Row stand ich oft da und fragte mich: Wer ist das noch gleich? Erkannt habe ich aber Kirk Cousins, Brock Purdy, Amon-Ra St. Brown, Cam Newton oder auch Rob Gronkowski. Mein Highlight war ein kurzes Gespräch mit Ian Rapoport. Er konnte sich noch an unser gemeinsames Interview erinnern. Ein sehr freundlicher Mann.

Schön war auch, dass wir immer mehr deutsche Journalist*innen beim Super Bowl sind. Bei einem Roundtable der NFL Deutschland mit General Manager Alexander Steinforth, Markus Kuhn und Sebastian Vollmer saßen knapp 25 Kolleg*innen am Tisch. Das ist eine tolle Entwicklung. Gefühlt gibt es aber auch immer mehr spanischsprachige NFL-Repoter*innen. Das fiel mir in diesem Jahr besonders auf. Gefreut habe ich mich auch über Peter O’Reilly – viele nennen ihn den „Außenminister der NFL“. Er ist für die internationale Entwicklung der Liga zuständig und er erkennt mich immer wieder, wenn wir uns in der Menge sehen. Das ist schon cool.
Neben den Pressevents und meiner Radio-Arbeit, die noch zu erledigen war, hatte ich auch genug Zeit für Sightseeing. San Francisco ist wirklich schön. Einige Straßen sollte man zwar meiden. Aber bei all den Sehenswürdigkeiten, in der Innenstadt oder am Hafen, lässt es sich gut aushalten. Golden Gate Bridge, Fisherman’s Wharf, Painted Ladies, Alcatraz, Cable Cars – es gibt einiges zu sehen:




Richtig angefixt waren so ziemlich alle deutschen Journalist*innen von Waymo. Das sind autonome Taxis, die in San Francisco überall zu sehen sind. Komplett ohne Fahrer wird man damit durch die Stadt gefahren. Alles passiert autonom und ohne Unfälle. Das ist verrückt und aufregend zugleich. Mal sehen, ob so etwas in Deutschland jemals zugelassen wird.
Was man in San Francisco aber auch braucht, ist viel Geld. Die USA sind in den vergangenen Jahren schon deutlich teurer geworden. Eine Kleinigkeit essen liegt bei 30 Dollar, ein paar Getränke im Supermarkt sind kaum unter 20 Dollar zu haben. Dafür ist der Kaffee bei Starbucks gefühlt günstiger als in Deutschland. Wer im NFL Shop dann noch Fanartikel kaufen will, braucht noch mehr Budget. Ich habe den offiziellen Super Bowl LX Hoodie dann doch hängen lassen. 185 Dollar plus Tax waren mir etwas zu viel.
Game Day in der Sonne
Die Tage sind extrem schnell vergangen und schon war Sonntag – also Game Day. Aus guter alter Tradition bin ich mit dem ersten Bus zum Stadion gefahren – um kurz nach 9 Uhr Ortszeit. Also 6 Stunden vor Kickoff. Wenn man aber erstmal da ist, wo alle hinwollen, ist jede Minute kostbar:

Mein Platz war zu Beginn des Spiels in der prallen Sonne. Im Laufe des Abends wurde es aber doch schnell kalt auf der Tribüne. Etwas unglücklich war, dass direkt vor uns eine Gruppe Seahawks-Fans standen und wir so kaum das Spielfeld sehen konnte. Aber wem will man es verdenken? Fans sollten auch nicht still und leise auf ihrem Stuhl sitzen. Die Stimmung macht das Spiel aus und gefühlt war es bei Super Bowl LX so laut wie noch bei keinem anderen, den ich besuchen durfte.
Green Day der Favorit
Ich gebe zu, ich konnte mit der Halftime Show von Bad Bunny nichts anfangen. Klar, die Botschaften darin waren gut und richtig. Musikalisch holt mich das alles nicht ab. Green Day im Vorprogramm war da viel besser – aus meiner Sicht. Besonders großen Jubel gab es auch, als Tom Brady zu sehen war. Außer natürlich bei den Fans direkt vor mir.





Ich würde zu gerne mal wissen, was die NFL bei einem Super Bowl umsetzt. Gefühlt guckt niemand aufs Geld, wenn man da ist. 22 Dollar für die Dose Bier, 10 Dollar für ein Hotdog oder 15 Dollar für zwei Flaschen Wasser? Alles „normal“. Dazu hat eigentlich jeder Fanartikel an oder gekauft und so ein Ticket ist für Fans kaum unter 4.000 Dollar zu haben. Angeblich hat sogar der Fanshop im Stadion Eintritt gekostet. Angebot und Nachfrage eben.
… und dann ist es vorbei
Kaum war der Sieg der Seahawks offiziell, meine Radio-Arbeit erledigt und der Shuttle-Bus zurück in San Francisco, war alles wieder vorbei. Diese Zeilen schreibe ich am Flughafen kurz vor dem Rückflug. Jetzt beginnen 7 Monate ohne NFL-Football. Ich bin unenflich dankbar, dass ich wieder einen Super Bowl vor Ort erleben durfte. Ich bin aber auch traurig, dass Günter Zapf nur von oben zugucken konnte und ich freue mich auf Zuhause und auf meine Tochter, die schon auf mich wartet…
Matthias Gindorf, Football-Journalist und Radio-Macher aus Berlin.
Seit dem Jahr 2000 in den Medien aktiv - unter anderem tätig für den ARD Hörfunk, DAZN, Crunchtime Magazin, Sports Illustrated und die NFL Deutschland.
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