Wenn wir die NFL verfolgen, dann genießen wir das Spektakel, die vollen Stadien, die aufwändigen Übertragungen. Sind wir in einem Stadion, staunen wir über den Gigantismus und die Perfektion. Alle ist groß, bunt, laut und sicher auch teuer. Da kann man schon mal fragen, wie es um die Nachhaltigkeit steht. Die NFL unternimmt hier viel mehr, als man vielleicht denkt. Unter der Marke NFL Green werden viele Aktionen für Umweltschutz und Nachhaltigkeit vorangetrieben. Wir haben uns das vom Director NFL Green, Jack Groh, persönlich erklären lassen.
Man muss leider sehr viel suchen, um im Internet ausführliche Informationen über die Nachhaltigkeits- und Umweltschutzaktivitäten der NFL zu finden. Besonders lange gibt es das NFL Green Programm auch noch gar nicht. Wie Jack Groh sagt, ging es erst Ende 1993 los. Damals hat er selbst die Liga gefragt, was sie beim nächsten Super Bowl vor hat, um die Umwelt nicht zu sehr zu belasten. Die Antwort war „Was meinst du sollten wir tun?“, erklärt Jack Groh im Interview mit beimFootball. Jack hatte sich damals schon beruflich mit Nachhaltigkeit beschäftigt – hatte aber noch nichts mit der NFL zu tun.
NFL Green startet mit kleinen Schritten
Sein Team und er haben für den Super Bowl damals in Atlanta zum Auftakt ein Recycling-Programm gestartet. Denn so etwas gab es Anfang der 1900er überhaupt nicht! Man musste also komplett bei 0 anfangen und die Möglichkeiten dafür schaffen. Das zweite große Thema war Lebensmittelverschwendung. „Es ging damals extrem viel Essen direkt von der Küche in den Müll. Wir haben also einen Weg gesucht, dieses Essen zu sichern“, erklärt der NFL Green Director. Dafür wurden Kooperationen mit Unternehmen gesucht, die Lebensmittel weiterverwerten konnten. Auch etwas, was es bei Sport-Events in den USA noch nicht gab. Statt in den Müll, gingen die Lebensmittel jetzt an gemeinnützige Organisationen oder an Kirchen, so Jack Groh.
Der dritte Baustein: Was passiert eigentlich mit all dem, was extra für einen Super Bowl gebaut wird? Tribünen, Presse-Bereiche oder ähnliches? Das meiste davon wurde üblicherweise nach dem Spiel abgerissen und weggeschmissen. Jack Groh und sein Team haben sich zum Ziel gesetzt für all das Material eine neue Verwendung zu finden: „Holz oder Kunststoff können natürlich recycelt werden“, so der Director. „Aber noch besser für die Nachhaltigkeit ist es eine neue Verwendung für das Material zu finden.“ Laut Jack Groh wurden diese Baustoffe unter anderem in die Karibik geschickt. Nach einer Reihe von Hurrikans konnten hier damit provisorische Dächer gebaut werden. Anderes Material ging auch an Künstler, die damit neue Werke erschaffen konnten. Und schließlich ging es auch darum den Energieverbrauch in der NFL zu senken. Etwa durch LED-Beleuchtung.
Diese vier Maßnahmen wurden über die Jahre immer weiter vorangetrieben. Aber: Sie sind natürlich nur temporär möglich – also nur rund um das Event Super Bowl. NFL Green möchte aber auch nachhaltig etwas verändern, sagt Jack Groh. „Wir wollen jede Stadt grüner hinterlassen, als wir sie vorfinden.“ Deswegen wird z.B. mit Vertretern der Super Bowl Host-City im Vorfeld gesprochen, welche Maßnahmen sinnvoll seien könnten. Das können Bäume sein, die gepflanzt werden, kleine Gärten oder Sport-und Spielplätze für Kinder.
„Super Kids – Super Sharing“
Denn auch Kinder spielen eine große Rolle bei NFL Green. Vor über 20 Jahren wurde deshalb das Projekt Super Kids – Super Sharing ins Leben gerufen, erklärt Jack Groh. Da geht weniger um Umweltschutz, sondern viel mehr um Nachhaltigkeit und Chancengleichheit. In vielen US-Städten gibt es nach seinen Worten auf der einen Seite viele reiche Familien, in denen Kinder alles haben – Sportklamotten oder Bücher. Aber ein paar Meter die Straße runter leben Kinder, die haben das alles nicht. In jeder Super Bowl-Stadt der vergangenen Jahre wurden deshalb in „reichen“ Gegenden Materialien gesammelt, die wenig genutzt waren. Die wurden dann an die „ärmeren“ Kinder verteilt.
„Teilweise wurden bei diesen Aktionen an einem Morgen über 40.000 Dinge gesammelt – und die waren am Abend schon weg“, sagt Jack Groh. Aus seiner Sicht auch eine Möglichkeit nachhaltig zu sein. Denn möglicherweise wären sonst die überzähligen Footballschuhe oder Bücher irgendwann im Müll gelandet. Und: „Super Kids – Super Sharing“ bringt Kinder aus verschiedenen Schichten zusammen, die sonst vielleicht wenig Berührungspunkte haben. Auch das sei ein wichtiger Schritt, so der NFL Green Director.
NFL Green – Nachhaltigkeit und Umweltschutz made in USA
Es gibt viele regionale Beispiele, was unter dem Dach von NFL Green in den Super Bowl Städten unternommen wurde, erklärt der Chef. In Miami wurde etwa ein Küstenabschnitt mit Korallen wieder aufgebaut. In Arizona wurde das komplette Ökosystem eines Flusses wieder hergestellt. In Kalifornien ist ein Waldabschnitt von Schädlingen befreit worden. Alles wichtige und richtige Schritt, um so ein Großevent wie den Super Bowl nachhaltiger zu machen. Kritiker könnten jetzt anmerken, dass ein Super Bowl wegen seiner Größe niemals nachhaltig werden kann – allein wegen der vielen Reisebewegungen von Teams und Fans. Aber immerhin guckt die NFL hier nicht mehr tatenlos zu und handelt.
Matthias Gindorf, Football-Journalist und Radio-Macher aus Berlin.
Seit dem Jahr 2000 in den Medien aktiv - unter anderem tätig für den ARD Hörfunk, DAZN, Crunchtime Magazin, Sports Illustrated und die NFL Deutschland.
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