XFL – wird das was?

Kann sich jemand daran erinnern, wie das Team der „Los Angeles Xtreme“ im April 2001 das „Million Dollar Game“ der XFL gewonnen hat? Mit 38:6 gegen die San Francisco Demons? Man muss selbst bei YouTube lange danach suchen. Wrestling Godfather Vince McMahon hatte die XFL damals gegründet. Die Konkurrenz-Liga zur NFL existierte nur ein Jahr. Jetzt ist die Idee zurück. Kann die Liga dieses Mal mit der NFL mithalten und überleben?

XFL Logo

Im Frühjahr 2020 soll die XFL an den Start gehen. 8 Teams wird es geben – in New York, Washington, Dallas, Houston, Tampa, St. Louis, Seattle und Los Angeles. Es wirkt alles etwas professioneller als 2001, niemand spricht mehr von „Kameras in der Cheerleaderkabine“, so wie damals. Die Vision von Macher Vince McMahons ist es, den „Football den Fans zurück zu geben“. So kann man es in den FAQs auf der Internetseite der XFL nachlesen. Für was der Name XFL genau steht, habe ich nicht herausgefunden. Aber dieses Video hier macht schon Laune.

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlauben Sie Cookies, indem Sie auf Übernehmen im Banner klicken.

„Football reborn“ wird uns also versprochen – eine Wiedergeburt – ein „Mitbewerber“ zur NFL. Gespielt werden soll aber in der Zeit nach dem Super Bowl – also ohne direkte Konkurrenz. Aber: Konkurrenz belebt dann doch das Geschäft, sag man ja so oft. Niemand weiß das besser als Vince McMahon. Er hat sich im Wrestling-Business in den 1990ern mit Ted Turner den sogenannten „Monday Night War“ geliefert.

 

Vom Monday Night War zum Football

McMahons Liga WWE, gegen Turners WCW. Damals hatten die Kämpfe von Hulk Hogen ähnliche Quoten wie heute Monday Night Football. Die WCW ging dann irgendwann zu Grunde und wurde von McMahons WWE geschluckt. Seit dem ist die Liga nahezu konkurrenzlos und die Quoten rauschen in den Keller. Alle Mitbewerber beißen sich trotzdem die Zähne aus. Mit der XFL würde McMahon zum „Beißer“ werden.




Die „erste XFL“ sollte nach mehr Action aussehen, mehr Spektakel. Die Euphorie war groß, die Neugier auch. Aber die Quoten bei NBC waren nur anfangs brauchbar. Im Laufe der Saison ging das Interesse zurück. Die Spiele am Samstagabend stattfinden zu lassen, war sicher auch keine gute Idee. Nach dem Finale war dann das Ende besiegelt. Aber so richtig Verschwunden war die Marke XFL nie.

XFL Homer

Quelle: Screenshot DVD

Für die „neue XFL“ ist Oliver Luck als Commissioner verpflichtet worden. Er war einst Quarterback bei den Houston Oilers in der NFL, später u.a. General Manager der Frankfurt Galaxy in der NFL Europe und später sogar Chef des Europa-Ablegers. Außerdem ist er der Vater von Andrew Luck, dem Quarterback der Indianapolis Colts. Das XFL-Gesicht ist also ein Profi durch und durch.

Das Gerüst hinter der XFL ist in meinen Augen dieses Mal stabiler als 2001. Niemand kennt sich besser mit der Produktion von Live-Events aus, als die Köpfe rund um Vince McMahon. Seine Wrestling-Liga ist 365 Tage im Jahr weltweit auf Tour. Zweimal pro Woche produziert die WWE 5 Stunden Live-Fernsehshows für die ganze Welt. Es gibt ein Streamingportal, das WWE Network, das unendlich viel Inhalt anbietet. Die Shows, Events, Videos, Einspieler etc. sind hochklassig produziert. Da setzt die WWE Maßstäbe. Davon kann die XFL nur profitieren.

 

Was ist an der XFL anders als an der NFL?

Die NFL ist bei allen großen Networks in den USA zu sehen. Dazu kommt der Game Pass, der die Spiele weltweit zugänglich macht. Hier in Deutschland freuen wir uns über DAZN und ranNFL. Wo die XFL zu sehen sein wird, ist noch nicht bekannt. Wahrscheinlich nicht wieder bei NBC – das ist meine Vermutung. Seit dem ersten Anlauf der Liga 2001 ist die Medienwelt auch eine ganz andere geworden. Damals wurden sogar Spiele als Aufzeichnung gezeigt. Das ist heute undenkbar. Aber Dank Streaming stehen hier neue Möglichkeiten offen.

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlauben Sie Cookies, indem Sie auf Übernehmen im Banner klicken.

Die XFL verspricht eine Ausstrahlung auf „traditionellen und digitalen Medien“, damit „so viele Fans wie möglich live dabei sein können“. Ein Ziel ist es auch, die Werbepausen zu reduzieren und ein Spiel auf etwa zwei Stunden zu beschränken. Das setzt natürlich voraus, dass das Geld von woanders herkommt. Abo-Gebühr? Eintrittspreise? Die WWE im Hintergrund verdient zwar auch gut, aber die goldenen Zeiten sind auch hier vorbei. Etwas Kleingeld hat Vince McMahon aber in seiner Portokasse. Sein Vermögen wird auf 2,5 Milliarden Dollar geschätzt.

 

Die NFL kann Talente fördern

Was kann die XFL sportlich liefern? Höchstleistungen wie in der NFL? Das liegt natürlich im Auge des Betrachters. Vielleicht würde es helfen, wenn einige große NFL-Stars wechseln würden. So ähnlich lief es auch beim Wrestling, als Hulk Hogan von der WWE zur WCW ging und dadurch die Liga Strahlkraft gewann. Ich glaube aber nicht, dass ein gestandener NFL-Profi diesen Schritt geht – jedenfalls nicht sofort. Viel mehr könnte die XFL eine Art „Farm-Liga“ sein – eine Liga für den Nachwuchs – ähnlich wie die NFL Europe damals.

Der Kader eines XFL-Teams soll aus 45 Spielern bestehen – etwas weniger als in der NFL. Bei 8 Teams müssen also 360 Spieler her, dazu Trainer, Betreuer etc. Die Auswahl wird in den USA groß genug sein. Vielleicht ist die XFL dann auch ein Karrieresprungbrett für noch mehr Spieler aus dem Ausland. Zu wünschen wäre es natürlich auch dem deutschen Football-Nachwuchs. Auch Kollege Martin Pfanner von DAZN sieht es ähnlich

Was mich etwas an der Planung der XFL stört: Die Auswahl der Spielorte. In 7 von 8 geplanten Städten wird auch NFL-Football gespielt. Nur in St. Louis nicht mehr. Sicher, die Märkte in New York, Los Angeles, Dallas oder Houston versprechen satte Einnahmen. Aber mal etwas ganz Neues hätte auch nicht schaden können. Im ersten Anlauf der XFL gab es noch ein Team in Las Vegas. Wenn die Oakland Raiders 2020 in die Wüste umziehen, wäre das allerdings auch kein Alleinstellungsmerkmal mehr.

 

XFL – zeig was du kannst

Mein Fazit der neuen XFL-Pläne: Ich bin gespannt und neugierig! Anfangs hielt ich das alles noch für eine blöde Idee. Mittlerweile glaube ich aber, dass eine weitere Football-Liga auch einen Reiz hat. In Sachen Vermarktung,  Produktion oder auch Social Media, ist der neue Anlauf vielversprechend. Die Stadien müssen aber auch voll werden, damit es nicht aussieht wie bei einem schlechten Highschool Spiel. Tickets gibt es sogar jetzt schon zum Vorbestellen. Ich hab mich schon vormerken lassen…

Der Inhalt ist nicht verfügbar.
Bitte erlauben Sie Cookies, indem Sie auf Übernehmen im Banner klicken.

 

1 Kommentar

    • Beutelbärchen on 16. Dezember 2018 at 14:29
    • Antworten

    Empfehlen kann man in dem Zusammenhang die 30-for-30-Doku von ESPN über die XFL („This was the XFL“). Anders als 2000 hat man sich nun etwas mehr Zeit genommen, was die Planung angeht. Aber auch heute stehen nur die Stand- und Spielorte fest. Noch keine Teamnamen, keine möglichen Spieler, keine Spielregeln.

    Bleibt abzuwarten, was Oliver uns noch präsentieren wird.

Schreibe einen Kommentar

E-Mail-Adressen werden nicht angezeigt.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen