Washington Redskins – Die Geschichte

Ob der Name Washington Redskins glücklich gewählt ist, darüber lässt sich streiten. Dazu kommen in der Vereinsgeschichte sogar noch andere Fälle von Rassismus. Kaum ein Team der NFL muss so viel Politik mit sich herumschleppen. Aber es gab auch große Zeiten mit 3 Super Bowls“ oder dem großen Vince Lombardi an der Seitenlinie. Auch bei der Wahl des US-Präsidenten spielen die Redskins immer eine besondere eine Rolle. Wie das alles zusammenhängt – in „Die Geschichte hinter den Teams“.

Washington Redskins - Logo
Quelle: NFL

Die Geschichte der Redskins beginnt 1932 in Boston. Unter der Leitung von George Preston Marshall wurde ein Team für die NFL neu geformt, um die damaligen Cleveland Indians zu ersetzen. Gespielt wurde im selben Stadion wie die Boston Braves aus der Major League Baseball. Wenig innovativ gaben sich die Footballer auch den Namen „Boston Braves“ und starteten so in die NFL Saison 1932. Nach einer durchwachsenen Saison zogen die Braves in ein anderes Stadion um – in den berühmten Fenway Park der Boston Red Sox. Marshall wollte seinem Team auch einen neuen Namen geben, um sich dann doch etwas vom Baseball abzuheben.

Wie die Redskins enstanden

Es gibt mehrere Geschichten, wieso aus den Boston Braves die Boston Redskins wurden. Da geistert die Version umher, dass damit Trainer Lud Wray und seine indianischen Wurzeln geehrt werden sollten. George Marshall selbst erklärte es aber später anders. Demnach wollte er nur etwas finden, was ähnlich war wie bisher und sich trotzdem von der Baseballmannschaft abhob. So spielten also die Boston Redskins für 4 Jahre in der NFL mit eher mäßigem Erfolg – bis 1936. In dem Jahr fand auch der erste NFL-Draft statt. Die Redskins hatten dabei den zweiten Overall-Pick. Das war Quarterback Riley Smith. Weil der Nummer 1 Pick niemals in der NFL gespielt hat, hatten die Redskins quasi den ersten gedrafteten Spieler.

Auch ein neuer Head Coach brachte Schwung ins Team – Ray Flaherty. Schon im fünften Jahr nach der Vereinsgründung spielten sich die Redskins ins NFL-Finale, das dann aber mit 6:21 gegen die Green Bay Packers klar verloren ging. Zur neuen Saison zog die Mannschaft wieder um – in die Heimat von Gründer George Marshall – in die Hauptstadt der USA. Seit dem existieren die „Washington Redskins“, auch wenn der Bezug zum Namen eigentlich völlig verloren ging. Sportlich lief es weiter glänzend. Wieder wurde das NFL-Finale erreicht. Mit den Chicago Bears wartete wieder eine Traditionsmannschaft. Dieses Mal blieben die Redskins aber Sieger und holten gleich im ersten Jahr in Washington ihren ersten Titel.

Washington Redskins - Helm
Quelle: NFL

Wir schreiben noch immer das Jahr 1937 aber schon damals wurde an Marketing und Event-Charakter beim Football gedacht. So trat in Washington bei den Heimspielen eine Marching-Band auf, was bis dahin eher beim College Football typisch war. Auch eine Vereinshymne wurde getextet. Die existiert heute noch: „Hail to the Redskins“. Sie erklärt auch den Hashtag, der heute von den Washington Redskins bei Social Media genutzt wird: #HTTR. Mit dem ersten Titel in der Tasche spielte das Team eigentlich immer oben mit. 1939 – also vor mittlerweile 80 Jahren – wurde auch ein Rekord für die Ewigkeit aufgestellt. Einer, der nicht gebrochen werden kann.

Ein 99 Yards Touchdown

Am 15. Oktober 1939 warf Quarterback Frank Filchock über 99 Yards auf Andy Farkas. Der „Ambos“, wie er genannt wurde, war der erste Spieler, der über diese Distanz punkten konnte. Dieser Rekord kann natürlich nicht gebrochen werden, es sei denn irgendwann wird das Spielfeld vergrößert. Dieser Rekord kann also nur eingestellt werden. Im folgenden Jahr standen die Washington Redskins wieder im Finale – wieder ging es gegen die Bears. Die wollten natürlich Revanche für 1937 und schafften es auch sehr beeindruckend. Sie zerpflückten die Redskins mit 73:0. Zu erwähnen ist aus dieser Saison noch die Verletzung von Tackle Turk Edwards. Er wollte nach dem Coin-Toss an die Seitenlinie laufen, riss sich dabei aber der Kreuzband und spielte nie wieder Football. Dafür ist er heute immerhin in der Hall of Fame.

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Die 1940er waren die ganz große Zeit der Washinton Redskins. Eigentlich sogar die Zeit der Duelle mit den Chicago Bears. Denn auch 1942 und 1943 war diese Begegnung das NFL-Finale. Im ersten Anlauf ging der Titel mal wieder nach Chicago, während 1943 wieder die Redskins feiern durften. 1945 stand Washington dann zum sechsten Mal innerhalb von 10 Jahren im Endspiel. Dieses Mal waren die Rams der Gegner – und auch der Sieger. Es passte damals in die Zeit, dass das Team aus der Hauptstadt vorneweg marschierte. Immerhin waren die USA im Zweiten Weltkrieg und mussten auch den Angriff auf Pearl Harbour über sich ergehen lassen. Aber wenn die Football-Geschichte eines lehrt, dann: Nach einer Erfolgsserie kommt oft der Absturz.

Ein viertel Jahrhundert Langeweile bei den Redskins

Der sportliche Absturz der Washington Redskins sucht schon seinesgleichen. Exakt 25 Spielzeiten am Stück wurden die Playoffs verpasst und das mit ganz abenteuerlichen Bilanz. Mal gab es nur einen Saisonsieg und 12 Pleiten. Dann schaffte man sogar mal 2 Unentschieden in einer Saison. Auch eine 8:4 Bilanz reichte nicht für mehr. In der Zwischenzeit wurden einige Trainer verheizt, es wurden Spieler gedraftet, die man heute schon lange vergessen hat. Aber in Sachen Innovationen war man in Washington weiter vorne dabei. Die Spiele wurden schon länger auch im Umland live im Radio übertragen. 1950 waren die Redskins das erste Team, das die gesamte Saison live im Fernsehen gezeigt wurde. Dann kamen die 1960er, die USA waren im Umbruch. Nur die Redskins blieben altmodisch.

Washington Redskins - Schrift
Quelle: NFL

Besitzer George Preston Marshall hatte viel richtig gemacht mit seinen Washington Redskins. Eines wollte er aber nicht: Farbige Spieler. Diese Einstellung passte gar nicht in die Zeit und schon gar nicht, weil der Präsident damals John F. Kennedy hieß. Und dann spielten die Redskins quasi auch noch direkt neben dem Weißen Haus. Das 1961 frisch bezogene Stadion war nur 3 km von Kennedys Büro entfernt. Der US-Kongress drohte Marshall schließlich sogar Strafen an, sollte er an der „Rassentrennung“ festhalten. Er gab schließlich nach und zur neuen Saison wurde Ernie Davis gedraftet. Der Running Back war der erste Schwarze, der am College die Heisman Trophy gewonnen hatte. NFL-Football hat er nie gespielt. Er starb im Sommer 1962 an Leukämie.

Vince Lombardi in Washington

1969 kam es zu einem großen Umbruch bei den Redskins. Besitzer George Marshall starb, die Führungsstruktur musste neu sortiert werden und da kam dann der große Vince Lombardi ins Spiel. Nach seinen Erfolgen als Coach in Green Bay war er dort „nur“ noch General Manager, was ihm nicht so wirklich gefiel. In Washington sollte er wieder trainieren und eine Rolle in der Chefetage spielen. Die Saison lief auch ganz beachtlich – mit der ersten positiven Bilanz seit 14 Jahren. Lombardi starb allerdings im folgenden Sommer an Krebs und so kam George Allen ans Ruder. Er läutete eine neue Ära bei den Washington Redskins ein.

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Mit der sogenannten „Over-the-Hill-Gang“ gingen die Redskins in die Saison 1971. Die Mischung aus Veteranen und jungen Talenten machte das Team schwer berechenbar und das zahlte sich aus. George Allen gab das Motto aus: „The future is now“ – und so wurden erstmals seit 1946 wieder die Playoffs erreicht. Auch wenn die dann schnell wieder zu Ende waren, es wehte ein neuer Wind durch die Hauptstadt. Vielleicht war es auch „Rückenwind“, denn schon 1972 lief es so gut wie lange nicht. Es gab nicht nur 2 Playoff-Siege, es wurde sogar der Super Bowl erreicht. Da musste man sich dann aber den Miami Dolphins geschlagen geben. Aber auch hier hat die Geschichte eine Randnotiz: Es war das Jahr, in dem die Dolphins die bisher einzige perfekte Saison hingelegt haben. Die Redskins waren dabei.

Aufwärmen für große Taten

Die restlichen Spielzeiten der 1970er waren dann wieder weniger erfolgreich. Erst als 1981 mal wieder ein neuer Head Coach verpflichtet wurde, änderte sich etwas. Joe Gibbs sollte in seiner Amtszeit bis in die 1990er hinein die erfolgreichste Phase der Washington Redskins anführen. Schon in seinem zweiten Jahr lief es nach Maß. Auf dem Platz spielten Quarterback Joe Theismann, Running Back John Riggins und Wide Receiver Art Monk alles in Grund und Boden. Der Lohn: Der Einzug ins NFL Championchip Game gegen die Dallas Cowboys und schließlich auch der Sieg im Super Bowl XVII – wieder gegen die Dolphins. Die nächste Revanche also.

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Auch 1983 spielten die Washington Redskins ganz oben mit. Mit 14 Siegen war es sogar die beste Saison der Vereinsgeschichte. Am Ende hatten die Raiders etwas dagegen, das noch im Super Bowl ein Titel in die Hauptstadt ging. Es folgte ein kurzer Durchhänger über 2 Jahre, bis man wieder 2 Jahre am Stück um den Titel mitspielte. 1986 stand man dicht am nächsten Super Bowl, verlor dann aber zu Null gegen die New York Giants. In der folgenden Saison wurde das Endspiel erreicht. Die Denver Broncos um John Elway hatten beim 42:10 keine Chance. Knapp 25 Jahren zuvor gab es in Washington noch Ärger um farbige Spieler. Doug Williams wurde an diesem Abend dann der erste afro-amerikanische Quarterback, der einen Super Bowl gewinnen konnte.

Der Höhenflug der Redskins

Auch wenn das Niveau nicht immer ganz oben war, die Redskins spielten auch zu Beginn der 1990er noch eine bedeutende Rolle. Wide Receiver Gary Clark und der immer noch aktive Art Monk sorgten 1991 fast im Alleingang dafür, dass im Super Bowl XXVI die Buffalo Bills keine Chance hatten. Die Redskins gewannen ihren 5. NFL-Titel, die Bills waren gerade mitten drin in ihrer „4 Super Bowl-Pleiten am Stück“-Serie. In der folgenden Saison gab Joe Gibbs seinen Trainerposten (vorläufig) auf, um ein NASCAR Team zu gründen. Anfang der 2000er kam er für 4 Spielzeiten zurück. Es folgte also ein Umbruch und wenn man es nüchtern betrachtet: Bis heute ist der noch nicht zu Ende.

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Es folgte eines dieser berühmten Löcher, in die die meisten NFL-Teams schon mal gefallen sind. Zwischen 1992 und der Saison 2018 wurden nur noch 3 (!) Playoff-Spiele gewonnen. In so einer Phase rücken dann gerne die nicht so sportlichen Dinge in den Mittelpunkt. Da wären Schlägereien von Spielern, die von TV-Kameras aufgezeichnet werden. Oder der Einzug in ein neues Stadion – heute das FedExField – das vor einem Umbau lange das zweitgrößte der NFL war. 1999 wurden die Washington Redskins schließlich verkauft – an Daniel Snyder, der mit seinem Telekommunikations -Unternehmen reich geworden ist. So konnte er auch 800 Millionen Dollar auf den Tisch legen. Damals der teuerste Deal der Sportwelt.

Tragischer Tiefpunkt für die Redskins

Die sportliche Findungsphase der Redskins hatte auch zur Folge, dass einige Trainer „ausprobiert“ wurden. Darunter durchaus bekannte Namen wie Norv Turner, der mit Dallas 2 Super Bowls gewonnen hatte. Marty Schottenheimer, der über 20 Jahre in der NFL trainiert hat. Joe Gibbs kam auch mal wieder zum Zug. Aber richtig lange hielt es keiner von ihnen aus. 2007 kam es zu einer Tragödie. Free Safety Sean Taylor wurde mitten in der Saison in seinem Haus in Miami von Einbrechern erschossen. Seine Rückennummer 21 ist bis heute eine besondere in Washington. Taylors Spind wurde sogar in Plexiglas eingehüllt, um ihn so zu erhalten, wie der Spieler ihn zuletzt benutzt hatte. Zur Beerdigung kamen 4.000 Gäste!

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Zur Saison 2012 kam ein Quarterback nach Washington, der das Team als Franchise-Player endlich wieder nach vorne bringen sollte. RGIII – oder auch Robert Griffin III. Zu Beginn erfüllte er die Hoffnungen noch. Aber das ließ auch fast so schnell wieder nach. Er gehörte aber zum Team, als die sogenannte Redskin-Rule zum bisher letzten Mal gebrochen wurde. Das ist eine Art Aberglaube rund um das letzte Heimspiel der Washington Redskins vor einer US-Präsidentenwahl. Wenn es gewonnen wird, bleibt der amtierende Präsident im Amt bzw. gewinnt sein Parteikollege. So der Aberglaube. 2012 wurde das Spiel verloren, was eigentlich hätte heißen müssen, dass Barack Obama nicht wiedergewählt wird. Wurde er aber bekanntlich doch.

Jay Gruden und die Zukunft

Seit der Saison 2014 ist Jay Gruder der Head Coach in Washington. Mit ihm kam zwar noch immer nicht der erhoffte Aufschwung, aber immerhin eine gewisse Stabilität. Seit der bisher letzten Playoff-Teilnahme 2015 wurden jedes Jahr immerhin 7 Spiele gewonnen. Nicht die Welt, aber schlimmer geht es immer. 2016 überzeugte Quarterback Kirk Cousins mit Teamrekorden für Versuche, Completions und Passing Yards. Auch 2017 legte er noch einmal nach. Aber bekanntlich sprang nichts zählbares für sein Team heraus. Mittlerweile spielt Cousins für die Minnesota Vikings, und seine Nachfolger für 2019 lauten: Colt McCoy, Case Keenum und der frisch gedraftete Dwayne Haskins. Auf der Quaterback-Position sind die Redskins also bestens aufgestellt, wenn man sieht, was in anderen Teams los ist. Aber ob es endlich reicht, um mehr als nur ein Playoff-Spiel zu gewinnen?


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