Tampa Bay Buccaneers – wird das was?

So eine Offseason ist einfach nie langweilig in der NFL. DAS große Mainstream-Thema ist weiter die Zukunft von Tom Brady bei den Tampa Bay Buccaneers. Sobald die NFL-Saison beginnt (wenn sie denn beginnt), werden die Bucs unheimlich im Fokus stehen. Auch Vergleiche mit Ex-Quarterback Jameis Winston wird es zu Hauf geben. Aber wie geht es den Fans in Tampa? Jubeln da alle, weil der GOAT künftig für sie spielt? Hagen Wilhelm jubelt nicht unbedingt. Der eingefleische Buccaneers-Fans hat einen Gastbeitrag für diesen Blog geschrieben – mit seiner Sicht auf die neue Saison der Freibeuter. Viel Spaß damit!

Tampa Bay Buccaneers - im Stadion
Quelle: Hagen Wilhelm

Die Mannschaft mit der wohl fulminantesten Offseason ist zweifelsohne in Tampa, Florida zu finden. Die Tampa Bay Buccaneers haben sich im März die Dienste von Tom Brady gesichert und setzen somit ein Zeichen. Auf dem Papier ist Brady der vielleicht beste NFL Quarterback aller Zeiten, da gibt es nichts dran zu rütteln. Mit 6 gewonnenen Super Bowls und insgesamt 9 Super Bowl-Teilnahmen hat er einen unglaublichen Lebenslauf vorzuweisen und der Erfolg spricht schlichtweg für ihn. Jedoch hatte Brady seit er im Jahr 2000 in der 6. Runde gedraftet wurde niemals einen anderen Head Coach als Bill Belichick. Derart lange einen Trainerposten zu behalten ist in der NFL, bzw. im Profisport allgemein, eine absolute Seltenheit.

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Doch wem ist nun der unsagbare Erfolg der New England Patriots zuzuschreiben? Brady oder Belichick, oder der Kombination aus beiden? Für Belichick spricht, dass bei einem Ausfall von Brady auch die Ersatzquarterbacks durchaus gute Leistungen gebracht haben. Brady hatte in der NFL noch keine Chance sein Können unter einem anderen Trainergespann unter Beweis zu stellen. Eine Zusammenarbeit mit dem risikofreudigen Bruce Arians bei den Tampa Bay Buccaneers wirft auf den ersten Blick jedenfalls durchaus Fragezeichen auf.  Sein “No Risk it – no biscuit” ist nicht Bradys Stil. Bruce Arians, auch genannt “Quarterback Whisperer”, ist bekannt dafür, dass er ein sehr aggressives Playcalling vertritt. Er operiert gerne mit langen, riskanten Bällen und liebt es aufs Ganze zu gehen.

Jameis Winston hatte schon was

Diese Spielweise ist sehr gut zugeschnitten für Gunslinger Quarterbacks mit extrem starkem Arm, wie Ben Roethlisberger oder Jameis Winston. Hauptsächlich wegen letzterem hat Arians laut eigener Aussage ohnehin erst den Job bei den Buccaneers angenommen, da er Winston seit dessen Kindheit kennt und enormes Potential in ihm sieht. Dieses Potential hat Arians voll ausgeschöpft und Winston warf somit für 5.109 Yards (Bestmarke unter allen Quarterbacks 2019) und 33 Touchdowns (die zweitmeisten Touchdowns hinter Lamar Jackson).  Wird Brady ähnliche Stats haben mit den Bucs? Das ist sehr unwarhscheinlich.

Bradys “Dink and Dunk” Spielart mit kurzen schnellen Pässen entspricht in keinster Weise dem Playcalling von Bruce Arians. Desweiteren liebt Brady seine Tight Ends, wohl ein Grund warum auch Rob Gronkowski nach Tampa geholt wurde, nachdem er sich schon vom Football zurückgezogen hatte. Bruce Arians bezieht seine Tight Ends kaum als Passempfänger mit ein, was unter anderem ein Grund dafür war, wieso der frühere First Round Pick der Tampa Bay Buccaneers OJ Howard letzte Saison derart unter dem Radar blieb.  Hinzu kommt, dass Brady eine neue Offense lernen und sich auf komplett neue Mitspieler einstellen muss. Eine Situation, mit der er so wie noch nie konfrontiert war.

NFL South – deutlich härter als die AFC East

Bradys Offensive Line wird auch deutlich schwächer sein als er das bei den Patriots bisher gewohnt war. So war New Englands Offensive Line nach der letzten Saison auf Platz 9 eingestuft, Tampa Bays war gerade mal an Stelle 23 zu finden. Hinzu kommt, dass Brady die Playoffteilnahme nun nicht mehr aufgrund einer der schwächsten Divisions in der NFL “geschenkt” bekommen wird. Brady und die Bucs müssen nun 2 mal im Jahr gegen die New Orleans Saints ran, zweifelsohne eine der besten Manschaften in der NFL. Auch mit den besonders in der Defense arg verletzungsgeplagten Atlanta Falcons ist diese Saison durchaus wieder zu rechnen. Die schlechteste Manschaft auf dem Papier dürfte mit dem Abgang Luke Kuechlys nun definitv die Carolina Panthers sein, die eventuell einen Neuaufbau anstreben könnten.

Zwei mal im Jahr gegen die Falcons und insbesondere gegen die Saints anzutreten, und sich letztenendes in der Division gegen beide durchzusetzen, wird sicherlich ein hartes Stück Arbeit werden für die Tampy Bay Buccaneers. Die Footballwelt in Tampa steht seit der Verpflichtung von Brady aber kopf. Bei den meisten Fans stößt der Wechsel auf der wichtigsten Position auf höchste Euphorie. Doch wen erstetzt Brady eigentlich? Er ersetzt keinen geringeren als den stark umstrittenen Jameis Winston, Tampa Bays erste Wahl im Draft 2015. Er galt als die große Hoffnung die Franchise nach so langer Zeit endlich wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. Schließlich haben die Bucs im Jahr 2007 zuletzt die Playoffs erreicht. Der letzte Playoff-Sieg liegt noch weiter zurück. Das war 2003, als man den Super Bowl in San Diego gegen die Oakland Raiders gewann. 

Jameins Winston – Hoffnungsträger

Winston war sehr hoffnungsvoll und wurde seinem Ruf als neuer Franchise Quarterback der Zukunft größtenteils gerecht. Doch der ultimative Erfolg blieb aus. Auch Winston schaffte es nicht, die Buccaneers nach einer endlos scheinenden Durststrecke endlich wieder in die ersehnten Playoffs zu führen. Die Schuld hierfür ist jedoch nicht größtenteils – und schon gar nicht ausschließlich – Winston zuzuschreiben. Seit 2015 hatten die Bucs eine der schlechtesten Defenses in der gesamten NFL. Kaum eine Manschaft hat mehr Punkte des Gegners zugelassen als die Tampa Bay Buccaneers. Darüberhinaus war das Running Game – abgesehen von Winstons Rookie Season – ebenfalls eines der schlechtesten in der Liga über den genannten Zeitraum. Vom Kickerproblem ganz zu schweigen.

Tampa Bay Buccaneers - Start
Quelle: Hagen Wilhelm

Oftmals in Winstons NFL Karriere gingen Spiele verloren, weil der Kicker ein machbares Field Goal versemmelte. Ein Problem das Brady in 20 Jahren nie hatte. All die genannten Aspekte sorgten dafür, dass Winston oft über 50 mal pro Spiel werfen musste. Dies ist nie ein Rezept für Erfolg und für wenige Interceptions in der NFL. Die Tatsache, dass Winston in 5 Jahren 3 verschiedene Head Coaches hatte, machte es für den jungen Quarterback sicherlich auch nicht einfacher.    

Winstons Interceptions – Grund zur Besorgnis?  

Viele Experten meinen Winston bekam wegen der vielen Interceptions keine Zukunft bei den Bucs. Zugegeben, 30 Interceptions ist natürlich eine Menge. Jedoch, wenn man die Quarterbacks mit denen Arians gearbeitet hat in deren erster Saison zusammen betrachtet, merkt man schnell, dass nahezu ausschließlich alle sehr viele Interceptions warfen. Dies ist wohl durch Arians agressives Playcalling zu rechtfertigen. Auch in der Gesamtbetrachtung über 5 Jahre sind Winstons Interceptions (88 Stück) nichts außergewöhnliches für einen jungen Quarterback. So hatte Peyton Manning nach fünf Jahren in der NFL 100 Interceptions. Brett Favre hatte 66, spielte aber 7 Spiele weniger als Winston und hatte deutlich weniger Touchdowns.

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Tampa Bay hat sowohl 2018 als auch 2019 die meisten Passing Yards in der NFL erzielt. Im zweiten Jahr unter Arians wäre sicherlich einiges zu erwarten gewesen, zumal die Defense gegen Ende 2019 richtige Fortschritte verzeichnen konnte. Die Buccaneers waren mit Winston definitv auf dem richtigen Weg. Ihn im Alter von 26 Jahren ziehen zu lassen könnten sie noch bitter bereuen.    

Fazit – Win now or Bust  

Auch wenn die Verpflichtung von Brady aus sportlicher Sicht mal dahingestellt sein soll, so bringt sie definitiv viele positive Seiten mit sich. Die Buccaneers, die größtenteils seit Bestehen der Franchise als eine Art graue Maus der NFL galten, bekommen nun Publicity wie noch nie. Tikotverkäufe schießen in die Höhe, Bandwagon-Fans interessieren sich nun für die Bucs und den weiteren Werdegang Tom Bradys und die Tampa Bay Buccaneers bekommen nun auch Prime Time Spiele. 5 Stück sind für die kommende Saison angesetzt, absoluter Rekord für die Bucs. Tampa Bay ist endlich auf der Landkarte der NFL angekommen.

Tampa Bay Buccaneers - Logo
Quelle: Hagen Wilhelm

Von daher war die Verpflichtung Bradys sicherlich sinnvoll.  Ob Brady als 43-jähriger Quarterback auch mit einer anderen Mannschaft als New England und Belichick erfolgreich sein kann, bleibt abzuwarten. Sollten die Bucs nicht in den nächsten beiden Jahren die Playoffs erreichen, muss man die Verpflichtung definitiv als Reinfall bewerten und es wird wohl wieder ein Neuaufbau stattfinden. Soviel ist sicher, es werden spannende Tage in der Tampa Bay!

Text: Hagen Wilhelm

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