AAF – wird das was?

Die NFL ist in der Pause – aber der Football insgesamt nicht. Eine Woche nach dem Super Bowl LIII ging eine neue Liga an den Start: Die Alliance of American Football – kurz AAF. Das Interesse scheint auch ziemlich groß zu sein – auch hier in Deutschland. Ich habe natürlich auch mal reingeguckt in die Spiele der AAF. Meine Sicht der Dinge – plus eine Experten-Meinung von Günter Zapf von DAZN – gibts hier:

AAF - Logo

Quelle: aaf.com

Wenn man in die Geschichte der AAF guckt ist es schon erstaunlich, dass die Idee für diese Liga erst 2016 so richtig geboren wurde. Charlie Ebersol und Bill Polian sind die beiden „Väter“. Ebersol ist der Sohn von Dick Ebersol, der sich mit der XFL schon einmal um ein Alternativprodukt gekümmert hat. Polian war einst General Manager bei den Buffalo Bills, Carolina Panthers und den Indianapolis Colts in der NFL. Ihr Ziel: Eine Liga aufbauen, die die Fehler der anderen Ligen nicht macht.




Schon zwei Jahre nach der Idee waren die Vorbereitungen fast abgeschlossen. Insgesamt 8 Teams sollten zur AAF gehören mit jeweils 52 Spielern und bis zu 13 Trainern. Auch ein Fernsehvertrag war schnell abgeschlossen – etwas, was die XFL fürs kommende Jahr noch nicht bieten kann. Mit CBS war es auch gleich ein großes Network. Als Kickoff für die erste Saison der Alliance of American Football wurde das Wochenende direkt nach dem Super Bowl festgelegt.

AAF - sorry

Quelle: aaf.com

Weil die AAF die Fehler anderer Ligen nicht machen wollte, sind auch einige Regeln optimiert worden. So gibt es keinen Kickoff im Spiel, sondern es geht immer an der 25 yards Linie los. Das finde ich persönlich schon mal sehr vorbildlich. Denn in der NFL gilt der Kickoff schon seit längerem als enormes Risiko für Kopfverletzungen. Was ich auch ganz gut finde: Nach einem Touchdown muss einen Two-Point-Conversion gemacht werden. Der meist sehr einfache Extra-Punkt per PAT fällt also schon mal aus.

AAF macht das Spiel schneller

Ein Ziel der AAF ist auch, dass ein Spiel nicht mehr 3 Stunden und länger dauert. Das ist sicher auch ein guter Ansatz. Deshalb läuft die Playclock nur 35 Sekunden und es gibt keine TV-Timeouts! Stattdessen sind die Preise für die eigentlichen Werbepausen hochgeschraubt worden. Da habe ich so meine Zweifel, ob das System aufgeht. Aber fürs Zuschauen ist es natürlich super, nicht ständig eine Pause vor die Nase gesetzt zu bekommen.

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Anders sind auch einige Regeln für die Aufstellung oder auch für eine mögliche Verlängerung. Spannend finde ich noch den „Sky Judge“. Dieser Schiedsrichter erklärt bei Überprüfungen genau, was passiert ist. Als Zuschauer hört man nicht nur „The ruling is a touchdown“ – es wird genau erklärt, welcher Spieler was gemacht hat und wie die Folgen daraus sind. Da könnte auch die Bundesliga von der AAF lernen.

8 AAF Teams in 7 Städten ohne NFL

Die Liga hat 2 Divisionen mit jeweils 4 Teams. Da sind die Arizona Hotshots, die Salt Lake Stallions, die San Antonio Commanders und San Diego Fleet in der Western Conference. In der Eastern Conference spielen die Orlando Apollos, Memphis Express, Birmingham Iron und die Atlanta Legends. Bis auf Atlanta sind hier nur Städte ausgewählt, die noch kein NFL-Team haben. Das finde ich deutlich besser als z.B. in der XFL. Da ist es genau anders herum: Von 8 Städten sind 7 auch Heimat der NFL.

AAF - Heart

Quelle: aaf.com

Noch ein Punkt zu den Spielern: Alle haben einen 3-Jahresvertrag über 250.000 Dollar – Bonus-Zahlungen sind aber möglich. Wer sich in den Vordergrund spielt, kann auch ohne weiteres zur NFL wechseln. Es gibt eine Art Ausstiegsklausel. Beim Zusammenstellen der Kader wurde außerdem auch darauf geachtet, dass bestenfalls Spieler aus der Region zu den Clubs kommen. Keine schlechte Idee – hier sicher gut möglich. In der NFL natürlich nicht.

Ein 10 Jahresplan für die AAF

Natürlich wird heutzutage immer auch die Wirtschaftlichkeit solcher Unternehmungen hinterfragt. Die AAF zeigt weniger Werbung, will auch die Ticketpreise unter 100 Dollar halten, muss viel ins Marketing stecken, muss die Gewohnheit brechen, dass zwischen Super Bowl und Baseball-Saison kein Football läuft. Da ist Geduld gefragt. Die Macher sagen selbst, dass es bis zu 10 Jahre dauern könnte, bis sich die Liga einigermaßen rentiert. Dafür muss das Produkt aber auch stimmen. Tut es das denn?

Ich kann mir nicht helfen, aber für mich sehen Spiele der AAF noch etwas „billig“ aus. Leere Stadion, gefühlt wenig Stimmung – damit wird es schwer neue Fans anzulocken. Mir fehlt aus neutraler Sicht noch der ganz große Knaller. Ein Megastar, irgendwas ungewöhnliches, neues. Ich muss gerade an Hulk Hogan denken. Als der damals von der WWF zur WCW gewechselt ist, wurde die andere Liga plötzlich zum Big-Player. Es entwickelte sich der „Monday Night War“ mit Einschaltquoten, die astronomisch hoch waren. Ein „positiver Schocker“ könnte aus meiner Sicht der AAF gut tun.

Sportlich ist die AAF auf dem richtigen Weg

Für eingefleischte Football-Fans ist die Alliance sicher ganz gut anzusehen. Die Spiele sind spannend. Weil alle Teams neu sind, gibt es gefühlt keine Übermacht wie die New England Patriots. Das Tempo im Spiel ist gut und für die Spieler ist es natürlich auch klasse, sich auf großer Bühne zeigen zu können. Die AAF will ja selbst auch eine Art Talentschmiede sein. Dass selbst das NFL-Network einige Spiele überträgt ist auch ein gutes Zeichen für ein Miteinander. Kollege Günter Zapf von DAZN hat sich schon ein Spiel live angeguckt – in Orlando. Seine Meinung: „Es sah gut aus und ist ein anständiges Produkt.“

Mein Fazit: Die AAF ist natürlich keine NFL – oder auch keine NFL Europa, der ich persönlich etwas hinterher trauere. Aber die AAF hat in kurzer Zeit ein gutes Konstrukt geschaffen auf dem aufgebaut werden kann. Der Markenauftritt ist sehr überzeugend. Die neuen Regeln gefallen mir gut und auch die Auswahl der Standorte. Da liegt die Alliance für mich weit vor der XFL, die kommendes Jahr starten soll. Wenn die Stadien etwas voller werden und noch ein „Big Bang“ folgt, dann glaube ich auch an den Erfolg. Und so lange Maroon 5 nicht beim Finale auftritt…

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  1. […] Es gibt hier in den USA mittlerweile auch ein paar mehr Möglichkeiten – gerade mit der AAF, mit der CFL in Kanada oder der XFL, die im nächsten Jahr startet. Es gibt noch ein paar […]

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